Der US-Geheimdienst NSA hat laut der Enthüllungsplattform WikiLeaks mehr als ein Jahrzehnt lang Wirtschaftsspionage in Frankreich betrieben. Es seien ranghohe französische Finanzbeamte abgehört worden. Dabei habe die NSA unter anderem Einblick in Exportangebote gehabt, heißt es in Dokumenten, die in der Zeitung Libération erschienen. Die USA und Frankreich nahmen zunächst keine Stellung zu der neuen Enthüllung.

In der vergangenen Woche hatte WikiLeaks Dokumente über Abhöraktionen der NSA veröffentlicht, von denen die letzten drei französischen Präsidenten betroffen waren. Daraufhin war die US-Botschafterin in Paris einberufen worden. US-Präsident Barack Obama sagte dem französischen Präsidenten François Hollande zu, die Abhörpraxis gegen den Verbündeten zu beenden.

Den neuen Berichten zufolge hörte die NSA zwischen 2004 und 2012 zwei Finanzminister und drei weitere ranghohe Beamte ab. Weiteren Dokumenten zufolge soll die NSA alle französischen Exportangebote von 2002 bis 2012, die einen Wert von mehr als 200 Millionen Dollar hatten, abgehorcht haben. Sie erstreckten sich auf Bereiche von Öl und Gas bis hin zu Telekommunikation und Biotechnologie.  Der Geheimdienst habe auch Beziehungen zu internationalen Finanzorganisationen überwacht.

Die französischen Bürger hätten ein Recht darauf, zu wissen, dass ihr Land von einem angeblichen Verbündeten über den Tisch gezogen werde, sagte WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Er warf Großbritannien vor, ebenfalls von den Spähattacken auf den EU-Partner zu profitieren: "Die Vereinigten Staaten nutzen die Ergebnisse dieser Spionage nicht nur selbst, sondern tauschen sie auch mit dem Vereinigten Königreich aus."

Die Frage, ob die USA ihre Geheimdienste auch zur Wirtschaftsspionage einsetzen, war schon bei früheren Enthüllungen zur amerikanischen Spionagepraxis aufgetaucht. Der US-Vizeminister für Heimatschutz, Alejandro Mayorkas, hatte dem Tagesspiegel Anfang Juni gesagt: "Wir haben keine Wirtschaftsspionage betrieben, die US-Firmen einen ökonomischen Vorteil verschaffte. Das ist nicht unser Ansatz."