ZEIT ONLINE: Nachdem Jörg Haider 1986 die FPÖ übernommen hatte, gab es in der SPÖ die Doktrin, auf keinen Fall mit dieser Partei zusammenzuarbeiten. Nun gibt es eine rot-blaue Koalition auf Landesebene, im Burgenland. Für viele gilt das als Dammbruch. Wie konnte es dazu kommen?

Barbara Blaha: Manche unterliegen der irrigen Annahme, dass man dem grassierenden Rassismus in unserer Gesellschaft am besten das Wasser abgräbt, indem man ihm nachgibt. Das halte ich für grundlegend falsch. Wenn man von einem Ausländerproblem spricht, was viele in der Sozialdemokratie tun, dann meint man in Wahrheit Ausländerhetze und bedient sich der Sprache der Rechten. Man holt damit den rassistischen Diskurs in die Mitte der Gesellschaft, statt ihn zu bekämpfen.

ZEIT ONLINE: War es rückblickend eine kluge Entscheidung, die FPÖ auszugrenzen?

Blaha: Ja, ich würde keinen Pakt mit der FPÖ eingehen. Denn sobald sie ins Boot geholt wird, entsteht der Eindruck, sie hätte in irgendeiner Weise eine Relevanz und Dringlichkeit. Damit versetzt man sich in die Lage, selbst eine Politik machen zu müssen, die diesem vermeintlichem Anspruch nachkommt: Dabei hat diese Partei außer Hetze und Pfründe für ihr Spitzenpersonal keine Anliegen.

ZEIT ONLINE: Die Erfahrung zeigt doch, dass die Ausgrenzung die FPÖ groß gemacht hat. Die Opferrolle gehörte zur politischen Strategie Jörg Haiders und nun zu jener von Heinz Christian Strache.

Blaha: Stimmt, die Opferrolle ist Teil des Geschäftsmodells, das ist die Klaviatur, auf der die Partei spielt. Der These, dass die Dämonisierung die Partei groß gemacht hat, würde ich aber nicht zustimmen. Das Versäumnis der SPÖ ist, dass sie die Grundlage des FPÖ-Erfolgs nicht bearbeitet hat. Die Freiheitlichen behaupten, sie würden die soziale Frage stellen, in Wahrheit stellen sie aber nur die nationale Frage. Und weil die SPÖ aber keine Perspektive für diejenigen bietet, die ökonomisch immer stärker unter Druck kommen, bleibt die Agitation der FPÖ als einzige scheinbare Alternative zum Status quo übrig.

ZEIT ONLINE: Die Ausgrenzung kann demnach nur ein Teil der Strategie sein?

Blaha: Genau, es braucht mehr. Aber das wurde nicht durchgezogen. Auf der einen Seite grenzt man die Rechten aus, verliert andererseits aber jeden Gestaltungswillen und taumelt orientierungslos vor sich hin. Das einzige Angebot ist: Wählt uns, mit uns wird es nicht besser, aber wahrscheinlich auch nicht schlechter. Das ist zu wenig.