Trotz Ausreiseverbot ist das Flugzeug des mit internationalem Haftbefehl gesuchten sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir von Johannesburg aus gestartet. Al-Baschir wird wegen Völkermordvorwürfen gesucht und hätte Südafrika nicht verlassen dürfen. Er war zum Gipfeltreffen der Afrikanischen Union angereist und hätte sich vor seiner Abreise einer Anhörung zu den Vorwürfen stellen müssen. Diese war von Bürgerrechtsorganisationen gefordert worden, die auch das Ausreiseverbot erwirkt hatten. Nur Stunden nach dem Abflug ordnete ein südafrikanisches Gericht die Festnahme des 71-Jährigen an.

Sudans Informationsminister Minister Ahmed Bilal Osman bestätigte die Ausreise al-Baschirs: "Ja, er hat Südafrika verlassen und kehrt in unser Land zurück", sagte Osman dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera. Zuvor hatten bereits mehrere Medien über die Abreise berichtet.

Kurz zuvor hatte ein Anwalt der südafrikanischen Regierung erklärt, das von dem obersten Gericht in Pretoria verhängte Ausreiseverbot werde befolgt. Al-Baschirs Name stünde nicht auf der Passagierliste des Fluges. Es gebe kein Risiko, dass der Präsident verschwinde.  

300.000 Tote und 2,7 Millionen Vertriebene nach Aufständen

Al-Baschir war 1989 nach einem islamistischen Umsturz an die Macht gekommen. Er ist der einzige Staatschef der Welt, gegen den ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag wegen Völkermordvorwürfen vorliegt. Trotz internationalen Bemühungen, al-Baschir vor Gericht zu bringen, kann er sich in Afrika weitgehend frei bewegen. Nach sudanesischen Angaben habe man ihm in Südafrika versichert, willkommen zu sein.

Seine Regierung hatte auf die bewaffnete Rebellion in Darfur brutal reagiert. Seit Beginn des Aufstands in der westsudanesischen Region 2003 sind nach Angaben der UN rund 300.000 Menschen ums Leben gekommen und 2,7 Millionen vertrieben worden.