Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beobachtet in der umkämpften Ostukraine eine stetige Verschlechterung der Lage. "Wir registrieren eine größere Anzahl von Verletzten und Toten unter der Zivilbevölkerung", sagte der stellvertretende Leiter der OSZE-Beobachtermission, Alexander Hug. Auch die Zahl der getöteten Kämpfer steige auf beiden Seiten.

Nach Hugs Angaben nehmen die Spannungen zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten seit Ende April fast täglich zu. Die Konfliktparteien würden wieder verstärkt schwere Waffen nutzen und damit auch Infrastruktur zerstören.

Ob Russland, wie von der Nato behauptet, noch immer Truppen und Ausrüstung in den Osten der Ukraine schickt, könne Hugs derzeit nicht beurteilen. Mit der einzigen verfügbaren Aufklärungsdrohne könne weniger als die Hälfte des relevanten Grenzgebiets überwacht werden. Außerdem habe die OSZE derzeit keinen Zugang und keine Informationen. "Daraus eine Schlussfolgerung zu ziehen, ist nicht an mir", sagte Hug. In der Vergangenheit habe man gesehen, dass es Spuren von Panzerfahrzeugen über die Grenze zwischen der Ukraine und Russland gegeben habe.

Die OSZE hat in der Ostukraine derzeit 380 Beobachter im Einsatz, im gesamten Land sind es 480.

Erst am Dienstagabend hatten die Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Russlands und der Ukraine einen lokalen Waffenstillstand in einem umkämpften Gebiet bei Mariupol gefordert. Es habe Einigkeit geherrscht, "dass wir in einer Situation sind, die gefährlich ist", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach dem Treffen. Es sei allerdings nicht abzusehen, ob sich tatsächlich alle Parteien an eine Feuerpause halten werden.