Am Tag der russischen Unabhängigkeit hat die Polizei eine Protestaktion zweier Aktivistinnen gegen die Politik von Präsident Wladimir Putin gestoppt. Eine von ihnen ist Nadeschda Tolokonnikowa. Sie ist Mitglied der Musikgruppe Pussy Riot und musste nach einem Auftritt in einer Moskauer Kathedrale beinahe zwei Jahre im Gefängnis.

Sie und die Aktivistin Katherine Nenaschewa nähten auf einem Platz gegenüber dem Kreml eine russische Flagge, bis die Beamten kamen. Dabei trugen sie Sträflingsuniformen. Später postete Tolokonnikowa Fotos, wie sie die Flagge auf der Polizeiwache fertig nähten. Wie lange die beiden in Polizeigewahrsam bleiben werden, ist unklar.

Mit der Aktion namens Prison Camp Russia wollen die Aktivistinnen nach eigenen Angaben auf die Situation weiblicher Häftlinge aufmerksam machen. Nenaschewa wollte dazu für einen Monat eine Gefängnisuniform tragen und diese dann wieder gegen ihre normale Kleidung eintauschen. Auch der Ort – der Bolotnaya-Platz in Moskau – ist absichtlich für die Aktion gewählt worden: Hier seien Hunderte Demonstranten verhaftet und eingesperrt worden, schreiben die Aktivistinnen.

Russlands Präsident Wladimir Putin pries währenddessen am 25. Jahrestag der Unabhängigkeit im Kreml die Demokratie und Offenheit des Landes. Russland hatte sich 1990 nach dem Zerfall der Sowjetunion zum souveränen Staat erklärt. Innerhalb der früheren UdSSR war es eine von 15 Republiken gewesen. Derzeit wird Russland von westlichen Ländern wegen seiner Rolle im Konflikt um die Ostukraine isoliert und mit Sanktionen belegt.