Familien von im Ausland entführten US-Amerikanern sollen künftig nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden, wenn sie Lösegeldzahlungen für ihre Angehörigen leisten. Eine entsprechende Richtlinie werde US-Präsident Barack Obama am Mittwoch verkünden, berichtet die New York Times

Anders als europäische Regierungen zahlt das Weiße Haus offiziell kein Lösegeld, um Geiselnehmer nicht weiter in ihrem Handeln zu bestärken. Gleichzeitig erlauben es die bestehenden Gesetze Angehörigen von Geiseln nicht, eigenständig Lösegeld zu zahlen. Künftig soll Familienangehörigen in diesen Fällen keine Klage mehr drohen, heißt es in der Meldung der Zeitung.

Verboten bleibe es jedoch weiterhin, Zugeständnisse an Entführer zu machen. Die Regierung könne mit ihnen allerdings künftig Kontakt aufnehmen und verhandeln – oder aber Familien dabei helfen, die dieses vorhaben. So solle gewährleistet werden, dass Entführte sicher zurückkehren könnten, heißt es weiter.

In der Vergangenheit sei dieses Vorgehen in einigen Fällen bereits unausgesprochene Praxis gewesen. So haben die USA im Juni 2014 mehrere Taliban-Kämpfer freigelassen, um den Soldaten Bowe Bergdahl aus einer fünfjährigen Gefangenschaft zu befreien. Dies habe zu Unverständnis bei Mitarbeitern der Bundesbehörden sowie den Familien anderer Geiseln geführt.  

Anlass für die nun in Kraft tretenden Neuerungen sind insbesondere die Entführungen durch die Islamistenmiliz "Islamischer Staat". Im vergangenen Jahr waren die US-Bürger James Foley, Steven Sotloff und Peter Kassig monatelang von der Terrormiliz festgehalten und vor laufenden Kameras enthauptet worden.