Die syrische Regierung soll im Kampf gegen die Rebellen erneut Giftgas eingesetzt haben. Wie Human Rights Watch berichtet, gibt es entsprechende Hinweise aus der Provinz Idlib. Nach Erkenntnissen der Organisation gab es dort zwischen dem 16. und 31. Mai mehrere Angriffe bei denen mit Giftgas bestückte Fassbomben abgeworfen wurden. Sechs Menschen seien dabei gestorben, mehr als 200 wurden verletzt. Opfer hätten sich bei Ärzten gemeldet und Symptome aufgewiesen, die auch bei Kontakt mit Chlorgas auftreten. Zeugen hätten einen für Chlorgas typischen Geruch wahrgenommen. Syriens Regierung hätte damit gegen das Chemiewaffenabkommen der Vereinten Nationen verstoßen.

Auch in anderen Gebieten hätten Regierungstruppen erneut Fassbomben verwendet, deren Einsatz international geächtet ist. Bei den neuesten Luftschlägen auf das von Rebellen beherrschte Umland von Aleppo, Teile der Altstadt sowie Gebiete in der Provinz Hama seien auch Fassbomben abgeworfen worden. 33 Menschen seien dabei gestorben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Fassbomben sind relativ günstig herzustellen. Sie sind meist mit Metallteilen gefüllt, die sich bei der Detonation geschossartig in der Umgebung verteilen.

Ursprünglich hatte US-Präsident Barack Obama den Einsatz von Chemiewaffen als "rote Linie" bezeichnet, die ein Eingreifen durch US-Truppen zur Folge hätte. Nachdem der syrischen Armee erstmals der Einsatz von Chemiewaffen nachgewiesen wurde, stimmte die Assad-Regierung zu, ihre Bestände an chemischen Kampfstoffen unter internationaler Aufsicht zu vernichten

Bischof von Aleppo fordert Militäreinsatz des Westens

Der melkitische Erzbischof von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart, forderte den Westen auf, in Syrien und im Irak militärisch einzugreifen. Es brauche einen umfassenden Militäreinsatz, "um diese Abscheulichkeiten zu stoppen", sagte Jeanbart dem katholischen Hilfswerk Kirche in Not. "Worauf wartet der Westen, nach all den Angriffen auf Maalula, Mossul, Idlib und Palmyra, bevor er endlich eingreift?"

Die Gewalt in Aleppo habe sich in den vergangenen Wochen noch verstärkt, so Jeanbart. Sein Bischofssitz sei bereits mehr als 20-mal von Mörsergranaten getroffen worden; zuletzt sei er vor zwei Tagen unter Beschuss geraten. Rund ein Dutzend melkitischer Kirchen in der Stadt seien in den vergangenen zwei Jahren zerstört worden.

Auf die Menschen wirkten die ständigen Angriffe zermürbend, so Jeanbart. Tausende Familien könnten ihren Kindern "nicht einmal das Nötigste bieten, um in Würde und gesund aufwachsen zu können". Wiederholt hat Jeanbart davor gewarnt, dass seine Kirche von der Auslöschung bedroht sei.

Flüchtlinge sitzen fest

Hunderte vor dem Bürgerkrieg geflüchtete Syrer sitzen im jordanischen Grenzgebiet fest – ohne Zugang zu ausreichend Wasser, Lebensmitteln oder medizinischer Versorgung. Human Rights Watch teilte dies unter Berufung auf Satellitenbilder und internationale Hilfskräfte mit. Die Flüchtlinge dürfen den Angaben nach das unmittelbare Gebiet um die informellen Grenzübergänge nicht verlassen.

Bis März standen laut Human Rights Watch einige Grenzübergänge in der ostjordanischen Wüste den meisten Syrern noch offen. Im April wurden aber nach Schätzungen von Hilfsorganisationen rund 2.500 Flüchtlinge an der Weiterreise gehindert. Im Mai soll die Zahl der an der Grenze Gestrandeten auf 1.000 gesunken sein. Jordanien hat in den vergangenen zwei Jahren die meisten offiziellen Grenzübergänge für Syrer geschlossen. Das Land hat nach eigenen Angaben mehr als eine Million syrischer Flüchtlinge aufgenommen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk geht davon aus, dass sich rund 630.000 syrische Flüchtlinge im Land befinden.

Der Bürgerkrieg in Syrien war im März 2011 ausgebrochen. Nach Einschätzung von Aktivisten sind dabei bisher mehr als 220.000 Menschen getötet worden.