Die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern über ein Reformprogramm werden offenbar von Spannungen zwischen der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) überschattet. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung blockiert der IWF einen Kompromiss, der in den vergangenen Tagen vorbereitet worden war.

Demnach könnte Griechenland Kürzungen bei kleinen Renten aufschieben, wenn es im Gegenzug seine Militärausgaben um den gleichen Betrag – rund 400 Millionen Euro – vermindert. Diesen Vorschlag habe Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras unterbreitet.

Der IWF akzeptiere jedoch keine Tauschgeschäfte dieser Art, sagte ein Unterhändler der FAS. Aufseiten der Kommission herrschte deshalb am Samstag große Skepsis, ob eine Einigung noch möglich sei.

IWF-Sprecher Gerry Rice wies den Bericht als falsch zurück.

Tsipras: zu "schwierigem Kompromiss" bereit

Unterdessen hat Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras Kompromissbereitschaft signalisiert, aber auch einen Schuldennachlass gefordert. Seine Regierung sei zu einem "schwierigen Kompromiss" mit seinen Geldgebern bereit. Einziges Ziel sei es, die Krise zu beenden und aus der "Unterwerfung" unter das Spardiktat auszusteigen, sagte Tsipras bei einem Treffen mit Mitarbeitern.

Die Regierung werde die Herausforderung annehmen, um zu einem realisierbaren Abkommen zu gelangen: "Das griechische Volk hat uns sein Vertrauen geschenkt, damit wir maßgebliche Entscheidungen treffen und schwierige Situationen meistern." Wenn aber Europa die Spaltung wolle und die weitere Unterwerfung, "werden wir uns für ein Nein entscheiden und den Kampf für die Würde des Volkes und unsere nationale Souveränität führen", sagte Tsipras.

Regierungssprecher Gavriil Sakellaridis nannte Details zu den Forderungen seines Landes. "Die Regierung sucht nach einer Lösung, die einen Schuldennachlass, niedrige Primärüberschüsse, keine Lohn- und Rentenkürzungen, ein Investitionspaket und eine Starthilfe für die Wirtschaft umfasst", sagte er der Zeitung Agora. Ein Schuldennachlass sei keine ideologische Obsession oder ein symbolischer Schritt, sondern eine notwendige Bedingung, um das Leben der Menschen zu erleichtern und die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Die Gefahr eines Ausscheidens seines Landes aus dem Euro spielte Sakellaridis herunter. Das griechische Bankensystem sei stabil und liquide, was es jeden Tag beweise: "Jegliche anderen Theorien sind bloß Teil der Verhandlungen, eine Form des – hauptsächlich psychologischen – Drucks".

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte, wichtige Gespräche mit griechischen Regierungsvertretern über neue Reformvorschläge fänden auf "einer höheren technischen Ebene" am Sonntag statt. Davor gebe es lediglich Gespräche auf einer "kleinen technischen Ebene". Tsipras wisse, dass die Lage sehr ernst ist.

In gut zwei Wochen muss Griechenland an den Internationalen Währungsfonds (IWF) 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, über die es nicht verfügt. Scheitern die Gespräche, drohen Griechenland die Staatspleite und ein Ausscheiden aus dem Euro. Deutschland hat den größten Anteil zu den Rettungspaketen im Umfang von 240 Milliarden Euro beigetragen.

Streit um den Primärüberschuss

Zu den schwierigsten Punkten bei den Verhandlungen gehören Fragen zur Rentenreform und zur Reform der Mehrwertsteuer. Die Geldgeber wollen außerdem für dieses Jahr ein Haushaltsplus vor Zinszahlungen und Schuldentilgung von einem Prozent. Athen beharrte zuletzt auf einem Primärüberschuss von 0,75 Prozent. Einem Bericht der Finanzzeitung Naftemporiki zufolge könnte sich Athen nun auf 0,9 Prozent einlassen.

"Wir rechnen damit, dass Griechenland Konzessionen machen wird, um eine Einigung zu erreichen", sagte der Analyst David Mackie von der US-Bank JP Morgan. Bisher hatte sich die Linksregierung dagegen gesperrt, den Reform- und Sparkurs der Vorgängerregierungen fortzusetzen. Vielmehr hatte sie vor den Wahlen im Januar versprochen, die Sparpolitik zu beenden.

Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckhardt Rehberg, sagte, er halte ein Ausscheiden Griechenlands für beherrschbar. Der Regierung in Athen müsse klar sein, dass den größten Schaden bei einem Grexit das griechische Volk selbst trage, sagte er dem Deutschlandfunk. "Der Euro würde nicht zerbrechen, wenn Griechenland aus der Eurozone rausgeht", so Rehberg. Es gebe mittlerweile ganz andere Schutzmechanismen als zu Beginn der Schuldenkrise 2010: "Hier ist die Eurozone gewappnet."