Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat laut einem Zeitungsbericht gedroht, juristisch gegen ein Ausscheiden seines Landes aus der Eurozone vorzugehen. "Die griechische Regierung wird von all unseren Rechten Gebrauch machen", zitierte die britische Zeitung The Daily Telegraph den Minister. Die Regierung in Athen lasse sich beraten und werde "sicherlich eine gerichtliche Verfügung des Europäischen Gerichtshofs erwägen". "Die EU-Verträge machen keine Vorgaben für einen Euroaustritt und wir lehnen es ab, ihn hinzunehmen", sagte Varoufakis. "Unsere Mitgliedschaft ist nicht verhandelbar". 

Auch Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras machte Druck: Er verknüpfte  seine politische Zukunft mit dem Ergebnis der Volksbefragung über die Forderungen der Gläubiger. Die linksgerichtete Regierung werde zwar ein Ja der Wähler respektieren. "Wir werden aber nicht diejenigen sein, die sie ausführen", erklärte Tsipras. "Wenn das griechische Volk einen gedemütigten Ministerpräsidenten will, gibt es da draußen einige. Aber ich werde es nicht sein."

Mehrere europäische Politiker schalteten sich in die anstehende Entscheidung ein. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte, ein Nein bei dem geplanten Referendum am Sonntag würde signalisieren, dass Griechenland den Euro verlassen wolle, was unbedingt vermieden werden müsse. "Ich werde den Griechen, die ich sehr liebe, sagen: Ihr müsst keinen Selbstmord verüben, nur weil ihr Angst vor dem Tod habt."

Kurz erklärt - Was bedeutet Grexit? Schon seit 2009 wird in Politik und Medien vom Grexit gesprochen – dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Ein solches Szenario hat es noch nie gegeben – selbst Staatsrechtler sind sich über die juristischen Folgen eines Grexits uneinig.

Aus Kreisen der EU und der griechischen Regierung verlautete, Juncker habe Tsipras ein Last-Minute-Angebot gemacht, um die Staatspleite noch abzuwenden. Tsipras solle die jüngsten Vorschläge der Geldgeber schriftlich annehmen und sich für ein Ja vor dem Referendum einsetzen. Das Schreiben müsse zudem rechtzeitig eingehen, damit die Finanzminister der Eurozone noch ein Sondertreffen abhalten könnten.

Am Dienstagabend läuft das aktuelle Hilfsprogramm aus. Ohne weiteres Geld kann Griechenland seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Am heutigen Dienstag muss das Land 1,6 Milliarden Euro Kredithilfe an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen. Tut es das nicht, könnte der Fonds den Zahlungsausfall erklären. Damit würde Griechenland aller Wahrscheinlichkeit nach auch von anderen Geldgebern nichts mehr erhalten. Tsipras hatte am Abend im Fernsehen gesagt, erst wenn die internationalen Gläubiger aufhörten, "uns zu ersticken", würde der ausstehende Betrag bezahlt.

Die Ratingagentur Fitch hatte die Kreditwürdigkeit von Griechenlands Nationalbank bereits herabgestuft.

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