Bei Kämpfen zwischen verfeindeten kurdischen Gruppen in der südosttürkischen Stadt Diyarbakır sind drei Menschen getötet worden. Zunächst hätten Unbekannte den Chef der kurdisch-islamistischen Hilfsorganisation Ihya-Der, Aytaç Baran, vor seinem Haus erschossen, teilte das Innenministerium mit. Bei einem anschließenden Schusswechsel seien zwei weitere Menschen gestorben. An den Kämpfen waren Anhänger der Kurdenpartei HDP beteiligt, die am Sonntag bei der Parlamentswahl triumphiert hatte.

Barans Anhänger machten die HDP für das Attentat verantwortlich. Sein Anwalt sagte zudem, Baran sei vor seiner Ermordung von der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK bedroht worden. Barans Hilfsorganisation Ilhya-Der steht in Verbindung mit der islamistischen Gruppe Huda-Par, dem politischen Arm einer militanten kurdisch-sunnitischen Gruppierung. Die HDP gilt dagegen als PKK-nah. Zwischen Angehörigen der beiden Lager gibt es immer wieder Zusammenstöße.

HDP-Parteichef Selahattin Demirtaş verurteilte die Tat scharf und rief zur Ruhe auf. "Ein schmutziges Spiel wird gespielt. Alle Parteien sollten mit gesundem Menschenverstand handeln", schrieb der HDP-Chef auf Twitter. Auch die Jugendorganisation der PKK, YDG-H, bestritt auf Twitter jegliche Verantwortung und nannte das Attentat eine "Provokation".

Die Nachrichtenagentur Doğan meldete, dass zudem drei Journalisten verletzt wurden. Es handelte sich laut Medienberichten um zwei Reporter der Nachrichtenagentur DHA und einen Reporter der Agentur IHA. Die DHA berichtete, die Journalisten seien zusammengeschlagen worden. Einer der drei Verletzten wurde am Abend weiter im Krankenhaus behandelt. Die Polizei habe drei Verdächtige wegen Schusswaffenbesitzes festgenommen, berichteten türkische Medien unter Berufung auf den örtlichen Gouverneur.

Am Sonntag war in der Türkei ein neues Parlament gewählt worden. Dabei hatte die prokurdische Demokratische Partei der Völker (HDP) 13,1 Prozent der Stimmen und 80 Sitze erobert, während die Regierungspartei AKP ihre absolute Mehrheit verlor. Die HDP lehnt eine Koalition mit der AKP ab.

Während des Wahlkampfes war die HDP mehrfach Ziel von Anschlägen gewesen. Erst am Freitag waren bei einem Bombenanschlag auf eine Kundgebung der Partei in Diyarbakır drei Menschen getötet worden. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, über seine Identität wurden noch keine Angaben gemacht.