Bei Gefechten im Osten der Ukraine ist die Erdgasversorgung der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol zusammengebrochen. Der staatliche Gasmonopolist Ukrtransgaz teilte mit, bei den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und prorussischen Rebellen sei eine Pipeline getroffen worden. Die Reparaturen dürften bis zu zwei Tage dauern. Auch die Orte Berdjansk und Wolnowacha seien betroffen.

Ministerpräsident Arseni Jazenjuk warf den Aufständischen vor, die Leitung gezielt zerstört zu haben, um Panik in Mariupol zu verbreiten. Der Angriff solle zudem die Fabriken zum Schließen zwingen, damit die Bevölkerung nicht mehr arbeiten könne. "Das gehört zum russischen Plan", sagte Jazenjuk.

Der Stahlhersteller Metinvest teilte mit, bei zwei seiner Stahlwerke in Mariupol sei die Lage kritisch. Möglicherweise müssten die Hochöfen vorübergehend außer Betrieb genommen werden. In den beiden Anlagen arbeiten zehn Prozent der Bevölkerung von Mariupol.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko war kurz zuvor in die Hafenstadt Mariupol gereist, um sich ein Bild von der Lage im Donbass zu machen. Die von der Regierung kontrollierte Hafenstadt liegt am Asowschen Meer und unweit der Frontlinie. Sollte die Stadt an die Rebellen fallen, wäre damit ein Teil eines Korridors geschaffen, der von ihren Gebieten zur Halbinsel Krim führen würde. Diese ist von Russland annektiert worden. Die Regierung in Moskau hat Vorwürfe zurückgewiesen, in die Kämpfe direkt einzugreifen.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bezeichnete die Lage im Donbass als besorgniserregend. Beobachter hätten Panzer und Geschütze auf beiden Seiten der Front gesehen, sagte Missionssprecher Michael Bociurkiw in Kiew. "Keine Seite hat ihre schweren Waffen von der Front abgezogen."