Es gibt viele US-amerikanische Eigenheiten, die in Europa eher seltsam wirken – zum Beispiel ein Burger mit eingearbeitetem Hot-Dog, der Verkauf von Sturmgewehren in Supermärkten oder die Begeisterung für den Po von Kim Kardashian. In dieser Woche kam eine bizarre Neuigkeit dazu, diesmal war sie politischer Natur: Im Rennen um die Nominierung eines republikanischen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2016 führt derzeit niemand anderes als der Immobilienmilliardär Donald Trump.

Auf 24 Prozent Zustimmung kommt er in einer neuen Umfrage – knapp ein Viertel der republikanischen Wähler würde  dem 69-Jährigen die Stimme geben. Eine schockierende Nachricht ist das vor allem für Jeb Bush und Scott Walker. Beide galten bisher unter den 16 Kandidaten als Favoriten.

Zu verdanken hat Trump, der Unternehmer und frühere Fernsehstar, die neu gewonnene Aufmerksamkeit sicherlich seiner ungehobelten Art. Gute Manieren sind dem New Yorker fremd: So ziemlich jeden seiner republikanischen Konkurrenten hat er schon persönlich angegriffen.

"Er gilt nur als Kriegsheld, weil er gefangen genommen wurde"

Der Kandidat Lindsey Graham wurde von "The Donald", wie er sich selbst nennt, besonders hart bestraft. Trump las bei einem Wahlkampfauftritt die Telefonnummer Grahams vor, damit seine Anhänger ihm persönlich die Meinung sagen könnten. Der Grund: Graham hatte ihn zuvor kritisiert.

Auch vor Arizonas Senator John McCain, der als Soldat mehr als fünf Jahre lang Kriegsgefangener in Vietnam war und dort auch gefoltert wurde, machte Trump nicht halt: "Er gilt nur als Kriegsheld, weil er gefangen genommen wurde. Ich mag Leute, die sich nicht gefangen nehmen lassen." Früher hatte Trump auch jahrelang angezweifelt, dass Präsident Obama in den USA geboren ist.

Wenn gerade keine Kamera in der Nähe ist, attackiert er vermeintliche Gegner über Twitter. "Warum sollte irgendwer auf Mitt Romney hören", fragte Trump dort kürzlich: "Er hat eine Wahl gegen Obama verloren, die er problemlos hätte gewinnen sollen."

Auch gegen Angriffe auf seine Person geht Trump auf Twitter vor. Mindestens ein halbes Dutzend Tweets widmete er 2013 den Gerüchten, seine blonde Haarpracht sei nicht echt, sondern eine Perücke: "Ich mach das einmal im Monat für alle Hasserfüllten und Verlierer: Ich trage keine Perücke. Mag sein, dass manche meine Frisur nicht mögen, aber sie ist ganz meine."

Alles wird verkauft

Dass die Bühne das Zuhause des 69-Jährigen ist, wissen die US-Bürger schon seit mindestens elf Jahren. So lange läuft die Show NBC-Show The Apprentice bereits, in der der erfolgreiche Unternehmer Mitarbeiter für sein Firmenimperium castet. Sein Vermögen von nach eigenen Angaben zehn Milliarden Dollar hat er mit teuren Immobilien in New York City verdient. "You’re fired (Sie sind gefeuert)" ist sein bekanntester Spruch aus der The Apprentice. Mit diesen Worten warf Trump stets Kandidaten aus der Show, die seinen Ansprüchen nicht genügten. Gefeuert hat ihn NBC mittlerweile aber auch. Der Sender ärgerte sich über Trumps rassistische Äußerungen in der Öffentlichkeit.

Seinen Sinn für Selbstinszenierung hat Trump in der Sendung perfektioniert, nun vermarktet er seine Bekanntheit: Neben diversen Gebäuden tragen auch Gesellschaftsspiele, Krawatten und alle möglichen anderen denkbaren und undenkbaren Produkte den Namen Trump. Dementsprechend hielten viele US-Kommentatoren es noch für eine Farce, als Trump Mitte Juni seine Kandidatur um die Präsidentschaft bekannt gab: Er wolle die Kampagne nur als Eigenwerbung nutzen.

Dafür sprach die pompöse Inszenierung der Bekanntgabe seiner Kandidatur. Der selbstbewusste Milliardär fuhr eine Rolltreppe in seinem Trump-Tower genannten Hochhaus in Manhattan herunter und hielt vor acht überdimensionalen USA-Fahnen eine endlos wirkende 40-minütige Rede. Er werde "eine riesige Mauer an der südlichen Grenze bauen, und Mexiko dafür bezahlen lassen", versprach er und kündigte außerdem an, sehr viele Arbeitsplätze zu schaffen. 257 Selbstreferenzen (Ich, Mich, Mein) zählte die Washington Post in seiner Rede und nur sieben Mal das Wort "Amerika".