Das elementare Wahlversprechen der Republikaner ist schon phänomenal: Man macht eine Politik für das obere 1 Prozent der Gesellschaft, braucht aber zumindest die Hälfte des Wahlvolks hinter sich, um Mehrheiten zu schaffen. Da bleibt einem doch nur der Weg zum Dreisten. Dies ist auch genau der Punkt, an dem Trumps sogenannter "Know-nothingism" hervorragend ins Konzept passt. Es ist ja nicht nur der Klimawandel, der bestritten wird. Selbst die Realität der menschlichen Evolution wird ernsthaft infrage gestellt. Anstelle von vollkommener Überraschung sollten die republikanischen Parteimanager insofern eher eine Vollzugsmeldung aufsetzen. Das Parteivolk jedenfalls bringt mit seiner ungeschminkten Unterstützung Trumps zum Ausdruck, dass es die eigentliche Botschaft der Partei verstanden hat.

Auch Trumps Ankündigung, der vermeintlich unsäglichen Sarah Palin eine Rolle in seinem Wahlkampf zuzuschanzen, passt perfekt in das Bild. Sie ist die feiste selbstsüchtige Frau, deren Ignoranz im Wahlvolk als perfekte proletarische Antwort für die totale Abgehobenheit der Politik verstanden wird. John McCain beging mit ihrer Benennung als Vizepräsidentschaftskandidatin keinen Fehler – er war nur seiner Zeit voraus.

Am Ende kommt alles zurück auf den berühmten Satz aus dem epochalen Film Wall Street von 1987: "Gier ist gut." Um die tiefe Ironie des Ganzen angemessen zu verstehen – und vollends zu genießen – hier im Wortlaut die ganze Passage von Gordon Gekko (gespielt von Michael Douglas):

"Der Kernpunkt ist, meine Damen und Herren, dass Gier, aus Mangel an einem besseren Wort, wirklich als gut zu bezeichnen ist. Gier hat eine wegweisende, klärende Funktion. Sie stellt Dinge klar, durchschneidet komplexe Gemengelagen und fängt die Essenz des evolutionären Geistes ein. Last uns die Gier in all ihren Formen umarmen – Gier nach dem Leben, nach Geld, nach Liebe, nach Wissen. Gier ist der Aufwärtsschub, den die Menschheit braucht."

Gordon Gekko spricht auch diese weniger bekannten Worte aus, die fast drei Jahrzehnte später als hellseherisch anmuten:

"Das reichste 1 Prozent unserer Bevölkerung besitzt die Hälfte Reichtum unseres Landes, 5.000 Milliarden Dollar. Ein Drittel davon stammt aus harter Arbeit, zwei Drittel stammen aus Erbschaft, Zinseszinsen und so fort. Ich helfe reichen Witwen und idiotischen Söhnen, noch reicher zu werden. Es ist Schwachsinn. Ich schaffe mit meiner Arbeit nichts. Ich besitze. Wir machen die Regeln, Kumpels."

Diese beiden Filmpassagen sind der vollkommene Ausdruck des Mantras der Republikanischen Partei. In diesem Sinne ist Donald Trump die Auferstehung des Gordon Gekko (alias Michael Douglas) für das Präsidentenamt im Jahr 2016. Mit anderen Worten: Das Erscheinen von Donald Trump auf der politischen Bühne hat lange auf sich warten lassen. Aber nun ist er endlich da.

Genau genommen ist Trumps Traum die Umkehrung des Aufstiegs von Ronald Reagan im Jahr 1980. Damals gelang es einem B-Movie-Player, doch noch eine echte Karriere zu machen, indem er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Im Unterschied dazu ist Trump bereits jetzt sehr erfolgreich, aber angesichts der Undurchsichtigkeit vieler seiner Geschäfte – immer noch ein B-Unternehmer. Im Gegensatz zu Reagan ist für Trump die Kandidatur für das Weiße Haus nicht der Schlussstein seiner Karriere, wie es das für Reagan war, sondern etwas Besonderes für den Mann, der sonst schon alles andere zu haben scheint. Gier ist gut – auch die nach Posten. Warum sollte man nicht einfach Hals über Kopf in dieses Rennen einsteigen, ohne sich Gedanken über die möglichen Folgen für alle anderen zu machen?

Eines steht jedoch fest: Die Republikanische Partei hat keinerlei Anlass dazu, wegen Trump "schockiert" zu sein. Trump verkörpert bis ins Letzte genau das, wofür sie mit ihrer ebenso dreisten wie elitär-materialistischen Philosophie steht. Wenn das die Republikaner schockiert, mag das am Ende sogar einen positiven Effekt haben. Da Trump das Spiegelbild der Partei ist, wäre es ein erstes Zeichen von Realitätssinn, wenn man über dieses Spiegelbild entgeistert ist.