ZEIT ONLINE: Frau Gkara, Sie haben diesen und vergangenen Mittwoch als Syriza-Abgeordnete den neuerlichen Spar- und Reformmaßnahmen zugestimmt. Hätte Sie sich jemals träumen lassen, dass Sie zu solchen Vorhaben Ja sagen werden?

Natasa Gkara: Nein, unter keinen Umständen.

ZEIT ONLINE: Warum haben Sie es dann trotzdem getan?

Gkara: Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen. Die Politik, die uns aufgezwungen wurde, liegt außerhalb unserer eigenen Beschlüsse und Ideen. 

Aber am Ende bleibt uns keine Wahl. Wir haben die Alternativen geprüft und sind zum Schluss gekommen: Alles andere wären noch schlimmer für Griechenland.

ZEIT ONLINE: Ihre Partei ist mit dem Versprechen angetreten, die europäische Krisenpolitik zu verändern. Damit sind Sie kläglich gescheitert.

Gkara: Wir haben in den Verhandlungen mit den Gläubigern sicher Fehler gemacht. Ich habe nicht damit gerechnet, dass die anderen Länder, allen voran Deutschland, so eine harte Position einnehmen würden. Sie nehmen in Kauf, dass ein ganzes Volk verarmt, um ihre eigenen Ziele durchzusetzen und Syriza zu stürzen. Bislang haben wir gedacht, dass Politik in Europa auf Solidarität zwischen den Ländern fußt. Stattdessen wurden wir erpresst.

ZEIT ONLINE: Ist es Erpressung, wenn die anderen europäischen Regierungen verlangen, dass Griechenland die geleistete Hilfe auch zurückzahlen soll?

Gkara: Wir haben nie gesagt, dass wir unsere Schulden nicht zahlen werden. Wir glauben nur, dass die Schuldenlast insgesamt nicht mehr tragbar ist. Um dem Teufelskreis von neuen Krediten und neuen Sparauflagen zu durchbrechen, muss die Schuldenlast sinken. Ein Teil muss uns erlassen werden. Aber insbesondere Deutschland lässt das nicht zu.

ZEIT ONLINE: War es nicht naiv zu glauben, Syriza könnte die europäische Rettungspolitik einfach so ändern?

Gkara: Nein.

ZEIT ONLINE: Aber Sie haben die Lage doch offenbar falsch eingeschätzt.

Gkara: Unser Plan war nicht naiv. Die Gegenseite – unsere Gläubiger – haben einfach unrealistische Erwartungen. Sie wollen eine Politik fortführen, die seit mehr als fünf Jahren nicht funktioniert und die mit Menschenleben spielt.

ZEIT ONLINE: Aber warum sollte sich daran etwas ändern, nur weil jetzt Syriza in Griechenland regiert? War ihre Taktik nicht einfach falsch?

Gkara: Unsere Taktik war nicht falsch, wir haben auf diesem Weg auch einiges erreicht. Das Problem wurde internationalisiert, es beschäftigt nun nicht mehr nur Griechenland. Die fehlerhafte Politik der vergangenen Jahre wird nun viel stärker thematisiert. Auch die Tragfähigkeit unserer Schulden wird mittlerweile offen diskutiert.

ZEIT ONLINE: Ihr Kampf war sicher spektakulär und hat vielleicht sogar ein "Zeichen" gesetzt, wie Alexis Tsipras immer wieder sagt. Nur: Den Griechen geht es heute deutlich schlechter. Die Arbeitslosigkeit ist weiter gestiegen, die Wirtschaft wieder eingebrochen. War es das wert?

Gkara: Wir haben nie versprochen, dass wir in fünf Monaten die wirtschaftlichen Probleme Griechenlands lösen. Gerade die hohe Arbeitslosigkeit ist ein sehr langfristiges Problem.

ZEIT ONLINE: Es werden noch viele Parlamentssitzungen über neue Sparmaßnahmen folgen. Wie fühlen Sie sich beim Gedanken daran?

Gkara: Ich bin sehr unglücklich. Ich werde über jede dieser Abstimmungen neu nachdenken müssen.

ZEIT ONLINE: Das heißt, Sie sind sich nicht sicher, ob Sie weiter mit Ja stimmen werden?