Das ist sicher linksradikale Rhetorik, aber ganz falsch ist es deshalb nicht. Dafür hat nicht nur Syriza mit ihren Revolutionssprüchen gesorgt, dafür sorgt ganz einfach auch die Realität. Der Architekt Andritsos ist ja nicht der einzige, der von ein paar Hundert Euro lebt, allzu viele Griechen halten sich gerade so über Wasser, und die neuen Sparmaßnahmen könnten sie nun ganz unter Wasser drücken. Wenn sie dafür, wie Syriza es nahelegt, Europa verantwortlich machen, könnte aus den kleinen, eher ratlosen Demos dieser Tage schnell wieder eine wütende Massenbewegung werden. Wenn der Schock über die Niederlage vorbei ist, könnte die Reaktion umso gewaltiger ausfallen.

Deshalb tingelt Andritsos seit Wochen durch die Stadtviertel, organisiert kleine Nachbarschaftsversammlungen. Er will verhindern, "dass Angst die Politik ersetzt", er will, "dass die Menschen zusammenhalten". Denn dass die großen Proteste wiederkommen werden, da ist er sich sicher. "Die Frage ist nur, ob sie rechts oder links sein werden."

Syrizas Spagat

Der Wiederaufstieg der Rechtsradikalen: Das ist die große Sorge nicht nur von Andritsos. Die neonazistische Partei Goldene Morgenröte wurde bei der letzten Wahl vergleichsweise klein gehalten, weil Syriza die allermeisten Proteststimmen auf sich ziehen konnte. Doch nun können sie sich, wie in der Nacht auf Donnerstag, vom Rednerpult des Parlaments als einzige konsequente Neinsager feiern.

Entscheidend könnte sein, wie überzeugend Syriza der Spagat gelingt. Zwischen dem Ja zum Memorandum einerseits und dem Nein zu der politischen Linie, die dieses vorgibt. Entscheidend wird sein, wie lange die Neinsager den Jasager Tsipras noch als ihren Repräsentanten akzeptieren. Dass am Mittwochabend erstmals seit der Regierungsübernahme Syrizas die Polizei gegen die Demonstranten vor dem Parlament vorging, deutet den Riss zwischen ihnen schon an. Ein Riss, der auch mitten durch die Partei geht. Am späten Donnerstagabend sitzt eine übernächtigte Abgeordnete in einer Bar unweit des Parlaments, vor knapp 24 Stunden hat sie sich zu einem Ja zum Sparpaket durchgerungen, obwohl sie das niemals wollte. Die Proteste dagegen vor dem Parlament konnte sie nur schwer ertragen. Sie sagt: "Ich wäre so gerne selbst dabei gewesen, so wie früher."