Nach jahrelangen und zähen Debatten haben sich die fünf UN-Vetomächte und Deutschland mit dem Iran auf ein Atomabkommen geeinigt. Es erlaubt dem Iran die zivile Nutzung der Atomtechnologie, zugleich wird aber die Entwicklung von Atomwaffen verhindert. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Scharif sprach von einem historischen Moment. Das Abkommen von Wien habe die Welt sicherer gemacht, sagte US-Präsident Barack Obama. Die zentralen Punkte des rund 100-seitigen Abkommens:

Die Umsetzung der Vereinbarung wird durch eine gemeinsame Kommission aus Vertretern des Irans und der 5+1-Gruppe überwacht und gesteuert. Die Einhaltung des Abkommens wird von den Experten der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) überprüft. Die UN-Organisation soll zudem den Verdacht ausräumen, dass der Iran vor 2003 und womöglich danach ein militärisches Atomprogramm betrieb. Zur Klärung dieser Frage wurde ein gesonderter Fahrplan zwischen dem Iran und der IAEA vereinbart. Der Abschluss der Untersuchung ist die Bedingung für die Aufhebung der Sanktionen.

Insgesamt sollen sämtliche iranische Atomanlagen einschließlich der Forschungs- und Produktionsstätten bis zu 25 Jahre von der IAEA kontrolliert werden. Der Iran sagt zu, das Zusatzprotokoll des Nichtverbreitungsvertrags (NPT) zu ratifizieren. Darüber hinaus soll die IAEA das Recht zu kurzfristig angekündigten Inspektionen erhalten. Dies soll auch für Militäranlagen gelten – ein besonders strittiger Punkt.

Die USA, die EU und die Vereinten Nationen werden ihre Sanktionen erst aufheben, wenn die IAEA bestätigt, dass der Iran die Auflagen erfüllt. Das werde frühestens Anfang 2016 geschehen. Zuerst sollen die Wirtschafts- und Finanzsanktionen aufgehoben werden, die innerhalb der Bevölkerung unmittelbar spürbar sind. Das Waffenembargo gegen den Iran soll weitere fünf Jahre bestehen bleiben. Die Maßnahmen gegen das Raketenprogramm des Landes weitere acht Jahre. Verstößt der Iran gegen die Auflagen, die in dem Abkommen geregelt sind, greifen die Sanktionen wieder.

Der Iran muss mehr als zwei Drittel seiner Zentrifugen abschalten. Die Forschung und Entwicklung der Anlagen, mit denen Uran angereichert werden kann, ist nur noch in kleinem Maßstab erlaubt. Damit soll verhindert werden, dass die Kapazität für Anreicherung schnell erhöht werden kann. Bisher hat der Iran 19.000 Zentrifugen, davon sind weniger als 10.000 in Betrieb.

Der Iran darf keine neuen Schwerwasser-Reaktoren bauen. Brennstäbe dürfen nicht wiederaufbereitet werden. Der Forschungsreaktor Arak wird so umgebaut, dass kein Atommaterial daraus weiterverbreitet werden kann. Die Forschungsanlage in Fordow wird in ein Labor umgewandelt. Dort darf kein Uran mehr angereichert werden.

Etwa 95 Prozent des angereicherten Urans, das der Iran besitzt, muss entweder verdünnt oder ausgeführt werden. Das Land darf nicht mehr als 300 Kilogramm des nuklearen Materials besitzen. Dieses darf maximal 3,67 Prozent angereichert sein.

Das Abkommen soll sicherstellen, dass der Iran mindestens zwölf Monate benötigen würde, um ausreichend Material für eine Atombombe zusammenzutragen. Nicht berücksichtigt ist dabei die Zeit, eine Bombe zu bauen.