Die Verhandlungen um das iranische Atomprogramm gehen am Abend in Wien möglicherweise in die entscheidende Runde. Für 21 Uhr sei ein Treffen der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands mit dem Iran geplant, verlautete es aus iranischen Delegationskreisen. In dieser Besetzung waren die beteiligten Nationen seit Tagen nicht mehr zusammengekommen. Am Abend will sich Irans Präsident Hassan Ruhani im Staatsfernsehen zum Stand der Verhandlungen äußern. 

Zuletzt hatten sich Verhandlungsteilnehmer optimistisch gezeigt, die letzten Streitpunkte bald ausräumen zu können. "Die Verhandlungen sind in der absoluten Schlussphase", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Es gehe jedoch nicht um Schnelligkeit, sondern um Gründlichkeit. Auch Frankreichs Präsident François Hollande mahnte zur Geduld. Eine Einigung liege nicht in weiter Ferne, sei aber auch noch nicht erreicht.   

Für die iranische Seite sind nach Angaben von Diplomaten weiterhin zentrale Fragen ungeklärt. Der iranische Chefunterhändler Abbas Araktschi zeigte sich vor iranischen Medien jedoch optimistisch, auch wenn er nichts "für heute oder morgen Abend" versprechen könne. Es werde solange gearbeitet wie nötig, um zu einem Ende zu kommen, sagte Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif nach einem Treffen mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi.

Wang hingegen rief dazu auf, eine Einigung nicht weiter hinauszuzögern. So etwas wie ein perfektes Abkommen gebe es nach seiner Einschätzung nicht, sagte Wang vor Journalisten. Die Bedingungen für ein gutes Abkommen seien aber bereits vorhanden.

In der österreichischen Hauptstadt waren am Montag erneut die Außenminister der fünf UN-Vetomächte, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zusammengekommen. Um Mitternacht läuft eigentlich eine weitere Frist für einen Abschluss der Verhandlungen mit dem Iran aus. Wegen anhaltender Differenzen wurde die eigentlich bis zum 30. Juni terminierte Verhandlungsrunde bereits drei Mal verlängert.