Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, hat den Iran-Besuch von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel stark kritisiert. "Es ist irritierend, dass der deutsche Vizekanzler nur fünf Tage gewartet hat, um mit einer Wirtschaftsdelegation nach Teheran zu fliegen", teilte Lauder in einer Stellungnahme laut Haaretz mit. Damit habe Gabriel wirtschaftliche Interessen über die Moral gestellt.

Auch Gabriels Äußerungen vor Ort beurteilte Lauder kritisch. Seinen Vorschlag, dass Deutschland zwischen Israel und dem Iran vermitteln könnte, bezeichnete Lauder als naiv. Stattdessen hätte er sich gewünscht, dass die neuen wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Iran an die Bedingung geknüpft werden, dass das Land seine Einstellung zu Israel verändert. "Das wäre viel effektiver gewesen", sagte Lauder.

Gabriel war nur wenige Tage nach dem Abschluss des Atomabkommens mit einer deutschen Wirtschaftsdelegation in den Iran gereist. "Wer immer mit uns nachhaltige Beziehungen hat, der kann nicht das Existenzrecht Israels politisch infrage stellen", hatte Gabriel vor Ort gesagt. Bei seinem Besuch gehe es nicht nur um die wirtschaftlichen Beziehungen. "Das wichtigste Signal ist: Sich auf friedlichem Wege zu verständigen, auf den Bau von Atomwaffen zu verzichten, lohnt sich für alle Seiten – auch für den Iran", hatte Gabriel gesagt. Zugleich hatte er eine deutsche Vermittlerrolle im Konflikt zwischen den beiden Ländern angeboten.

Israel sieht sich von der Regierung in Teheran massiv bedroht und lehnt auch das Atomabkommen als zu lasch ab. Irans geistliches Oberhaupt, Ajatollah Ali Chamenei, hatte in seiner ersten Rede nach dem Atomabkommen betont, dass sein Land den Kurs gegen den "Erzfeind" Israel nicht ändern werde.