Die Türkei geht auf syrischem Boden gegen den "Islamischen Staat" vor. Die Regierung bestätigte Meldungen, wonach die Luftwaffe erstmals IS-Ziele im Nachbarland angegriffen hat. Drei Kampfflugzeuge vom Typ F-16 hätten vor Sonnenaufgang drei Ziele im Norden des Nachbarlandes beschossen, teilte das Büro des Ministerpräsidenten in einer Erklärung mit. "Die türkische Republik ist entschlossen, alle nötigen Maßnahmen zur nationalen Sicherheit zu ergreifen", hieß es in der Mitteilung.   

Zuvor hatte der Fernsehsender TRT berichtet, dass türkische Kampfjets Stellungen des IS im syrischen Dorf Havar beschossen hätten. Bei einem der Ziele soll es sich um ein Gebäude handeln, dass der IS in der Region als Hauptquartier benutzt. Havar liegt gegenüber der türkischen Grenzprovinz Kilis. Die Kampfjets seien von der Luftwaffenbasis Diyarbakır abgehoben und hätten den syrischen Luftraum nicht verletzt.

Auslöser der Luftangriffe ist der Tod eines türkischen Soldaten bei einem Schusswechsel mit IS-Kämpfern, berichtet die Tageszeitung Hurryiet. Demnach trägt die Militäraktion im Gedenken an den Getöteten den Namen Operation Yalçın. Der Vorfall ereignete sich gestern Abend. Nach Information von CNNTürk hatten IS-Kämpfer versucht, illegal die Grenze in die Türkei zu überschreiten. Dabei kam es in der Nähe eines Kontrollpostens zu einem Schusswechsel.

Landesweite Durchsuchungen

Zuvor hatte bereits der Anschlag von Suruç zu einer neuen Bewertung der Situation durch die türkische Regierung und das Militär geführt. In der Nacht zum Freitag durchsuchte die türkische Anti-Terror-Polizei Medienberichten zufolge landesweit mehr als 100 mutmaßliche Verstecke von IS-Mitgliedern und Wohnungen von Anhängern der kurdischen Arbeiterpartei PKK. An den Razzien waren 5.000 Polizisten beteiligt gewesen, hieß es in den Meldungen. 251 Menschen wurden festgenommen. Zu den Folgen des Anschlags gehört auch, dass die von den USA geführte Militärallianz für ihre Luftangriffe gegen den "Islamischen Staat" künftig einen Flughafen in der Türkei nutzen darf.  

Die Türkei teilt sich mit Syrien eine 900 Kilometer lange Grenze, die teilweise direkt an IS-Gebiete grenzt. Die türkische Regierung will nun auf 150 Kilometern eine Mauer errichten und zudem die Grenzanlagen verstärken, um die Ein- und Ausreise von Terroristen zu verhindern.