Bei einem Brandanschlag jüdischer Extremisten auf zwei palästinensische Häuser im Westjordanland ist ein 18 Monate altes Kind an den Folgen schwerer Verbrennungen gestorben. Die Eltern und der vierjährige Bruder seien schwer verletzten worden, teilte das israelische Militär mit. 

Nach Angaben von palästinensischen Sicherheitskräften drangen in der Nacht vier Siedler in das Dorf Duma südlich von Nablus ein und legten Feuer an dem am Ortseingang gelegenen Haus. Sie hätten auch eine Mauer mit Parolen beschmiert. Anschließend seien die mutmaßlichen Täter in Richtung einer benachbarten Siedlung geflüchtet. Soldaten suchten die Gegend nach ihnen ab, teilte die Armee mit.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Mosche Jaalon sprachen von einem Terrorakt. Netanjahu kündigte an, alle Mittel einzusetzen, um die Täter zu fassen. Israels Bildungsminister Naftali Bennett sprach der Nachrichtenseite ynet zufolge von Mord. Oppositionsführer Izchak Herzog nannte das Verbrechen "Terrorismus der schlimmsten Art".

Eine israelische Polizeisprecherin sagte, wahrscheinlich handele es sich bei der Tat um einen weiteren "Preisschild"-Anschlag. Extremistische Siedler hatten in der Vergangenheit mehrere Moscheen im besetzten Westjordanland angezündet und die Taten als "Preisschild" für jede von Israel verfügte Beschränkung im Siedlungsbau bezeichnet.

Radikale Siedler attackieren regelmäßig Palästinenser und deren Häuser, umgekehrt sind Siedler auch immer wieder Ziel von Angriffen radikaler Palästinenser. Derzeit leben rund 350.000 israelische Siedler im seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland und knapp 200.000 weitere in Ost-Jerusalem. Die internationale Staatengemeinschaft betrachtet alle jüdischen Siedlungen in den Palästinensergebieten als illegal.

Israel baut neue Siedlerwohnungen

Israel hatte erst diese Woche den Bau von 300 neuen Siedlerwohnungen in Bet El und 500 weiteren Wohnungen in Ost-Jerusalem genehmigt und mit den Vorbereitungen begonnen. Die internationale Gemeinschaft hatte diesen Schritt scharf kritisiert: Das US-Außenministerium teilte mit, die USA sähen die Siedlungen als rechtswidrig an. Zudem würden die israelischen Maßnahmen eine mögliche Zwei-Staaten-Lösung untergraben. 

Die Europäische Union forderte Israel auf, die jüngsten Beschlüsse zurückzunehmen. Die Entscheidungen ließen Zweifel daran aufkommen, ob Israel noch zu der Zusage stehe, eine Zwei-Staaten-Lösung anzustreben, ließ die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini mitteilen. Die Europäische Union erinnere daran, dass die Siedlungen nach Völkerrecht illegal seien.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteile die Baugenehmigungen. Sie seien ein Hindernis für den Frieden und stünden im Gegensatz zur Beteuerung Israels, eine Zwei-Staaten-Lösung anzustreben.