Bei Luftangriffen auf ein Wohngebiet der Hafenstadt Mokka im Jemen sind am Freitagabend mehr als 120 Zivilisten getötet und 150 verletzt worden. Zu den Opfern zählten Kinder, Frauen und Ältere. Das berichteten Sicherheitsbeamte, Krankenhausmitarbeiter und Augenzeugen. Viele Anwohner seien in ihren zerstörten Häusern gestorben. Zudem sei ein Feuer ausgebrochen, das die meisten Leichen verkohlt habe.

Die Militärkoalition unter Führung von Saudi-Arabien flog nach Angaben der Sicherheitsbeamten Dutzende Luftschläge gegen Positionen der schiitischen Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten in Mokka. Der nächste Außenposten der Huthis sei allerdings mindestens fünf Kilometer vom Wohngebiet entfernt, hieß es. Eine Reaktion aus Saudi-Arabien gab es zunächst nicht.

Viele Tote und Verletzte seien in privaten Fahrzeugen oder von Tieren gezogenen Karren in Krankenhäusern gebracht worden, sagte Ahmed Mohammed al-Musai, ein Anwohner des Gebiets, der bei den Rettungseinsätzen half. Die meisten seiner Nachbarn seien getötet worden.

Der Jemen wird seit Monaten von schweren Kämpfen erschüttert, bei denen bislang Tausende Menschen getötet wurden. Während einer einjährigen Offensive gelang es den Huthi-Rebellen mit Unterstützung von Getreuen des früheren Präsidenten Ali Abdullah Salih, weite Teile des Jemen unter ihre Kontrolle zu bringen. Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi ist vor Monaten nach Saudi-Arabien geflohen. Seit Ende März unterstützt eine Militärkoalition unter Führung des sunnitischen Königreichs Hadis Truppen mit Luftangriffen.

Insgesamt 21,1 Millionen Menschen, vier von fünf Jemeniten, seien mittlerweile auf Hilfe von außen angewiesen, berichteten die Vereinten Nationen Anfang Juli. 13 Millionen hätten nicht ausreichend zu essen und 9,4 Millionen nicht genügend Trinkwasser. Weil auch die Abwasserversorgung zusammengebrochen sei, hätten sich bereits Krankheiten wie Malaria und Denguefieber weiter ausgebreitet.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat mehrfach vergeblich eine humanitäre Waffenruhe im Jemen gefordert – zuletzt Anfang Juli. Huthi-Sprecher Mohammed Abdessalam warf den UN in einer Erklärung vor, sie seien mit verantwortlich für die Fortsetzung des Konflikts, weil sie die Waffenruhe nicht durchgesetzt haben.