Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hat angekündigt, ab Montag fünf Tage lang die Luftangriffe auf Rebellen im Jemen einzustellen. Wie die saudiarabische Nachrichtenagentur SPA berichtete, soll die einseitig erklärte Waffenruhe die Lieferung von humanitärer Hilfe ermöglichen. Demnach sollen die Angriffe ab Sonntag um Mitternacht gestoppt werden. Die Entscheidung sei auf Ersuchen des im saudischen Exil lebenden jemenitischen Staatschefs Abed Rabbo Mansur Hadi erfolgt. Hadi habe eine Waffenruhe gewollt, damit eine "größtmögliche Menge" an humanitärer Hilfe geliefert werden könne.

Bei Luftangriffen der Militärallianz wurden am Samstag mindestens 80 Menschen im Jemen getötet. Berichten lokaler Medien zufolge wurden bei dem Bombardement der zentraljemenitischen Stadt Tais zudem 150 Menschen verletzt. Kurz darauf verkündete die Allianz die Waffenruhe. Jegliche Kampfhandlungen vonseiten der aufständischen Huthi-Rebellen während dieser Zeit würden jedoch "beantwortet".

Unter Vermittlung der Vereinten Nationen waren schon zweimal humanitäre Feuerpausen ausgerufen worden, doch wurden sie stets gebrochen. Nur wenige Hilfsgüter gelangten bislang in das verarmte arabische Land, in dem nach UN-Angaben 80 Prozent der Bevölkerung infolge der Kämpfe auf Hilfe angewiesen sind. Am Dienstag traf erstmals ein UN-Schiff mit Hilfsgütern in der südlichen Hafenstadt Aden ein. Zuvor war es Hadis Anhängern gelungen, den Großteil von Aden von den schiitischen Huthi-Rebellen zurückzuerobern.

Die Militärallianz hatte vor einigen Wochen eine Wende in dem Bürgerkrieg herbeigeführt und die aufständischen Huthi-Rebellen unter anderem aus der Hafenstadt Aden vertrieben. Die arabischen Staaten greifen seit März militärisch in den Konflikt ein, um den vertriebenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi wieder an die Macht zu bringen, der in Saudi-Arabien Asyl gesucht hat. Die vom Iran gestützten schiitischen Huthi-Rebellen kontrollieren immer noch die Hauptstadt Sanaa und weite Teile des Landes.

Im Jemen wüten seit Monaten schwere Kämpfe zwischen Huthi-Milizen und ihren Verbündeten auf der einen und Regierungstruppen auf der anderen Seite. Die aus dem Norden des Jemen stammende Huthi-Miliz hatte im Januar die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht und war anschließend weiter nach Süden vorgestoßen. Als die Milizen sich der Hafenstadt Aden näherten, floh Präsident Hadi nach Saudi-Arabien und bat dort um Unterstützung. Am 26. März startete die Militärkoalition dann ihre Luftangriffe gegen mutmaßliche Huthi-Stellungen.

Nach UN-Angaben wurden in dem Konflikt seit Ende März mehr als 3.200 Menschen getötet, die Hälfte davon Zivilisten. Außerdem gab es fast 16.000 Verletzte. Die Zahl der Binnenflüchtlinge gab die UN mit 1,26 Millionen an. Etwa 51.000 Menschen flüchteten ins Ausland.