Für den vom Bürgerkrieg zerrütteten Jemen haben die Vereinten Nationen die höchste Nothilfestufe 3 ausgerufen. UN-Sprecher Farhan Haq erklärte am Mittwoch nach einem Treffen des UN-Nothilfekoordinators Stephen O'Brien mit Hilfsorganisationen, alle Beteiligten seien sich einig gewesen. Die Einstufung gelte zunächst für sechs Monate, hieß es am Abend in New York.

Die Stufe 3 gilt neben dem Jemen nur für drei andere Staaten: Syrien, Irak und Südsudan; die Zentralafrikanische Republik war im vergangenen Jahr entsprechend eingestuft worden. Das "L3" bedeutet nicht automatisch, dass bestimmte Prozesse in Gang gesetzt werden. Es soll aber alle Mitgliedsstaaten aufmerksam machen, dass es sich um eine Krise handelt, die von mehreren UN-Organisationen zugleich bekämpft werden muss.

21,1 Millionen Menschen, mehr als 80 Prozent der Bevölkerung, würden irgendeine Hilfe von außen brauchen. 13 Millionen hätten nicht ausreichend zu essen und 9,4 Millionen nicht genügend Trinkwasser. Weil auch die Abwasserversorgung zusammengebrochen sei, hätten sich bereits Krankheiten wie Malaria und Denguefieber weiter ausgebreitet. Erst vor wenigen Tagen waren bei einem Anschlag des "Islamischen Staats" (IS) in Jemens Hauptstadt Sanaa 28 Menschen getötet worden.

Das Gesundheitssystem im Land steht vor dem Kollaps

Das Gesundheitssystem sei kurz vor dem Kollaps, sagte der UN-Sprecher. 160 Einrichtungen wie Krankenhäuser und Ambulanzen seien bereits geschlossen. Es fehle am Nötigsten, selbst am Treibstoff für Hilfstransporte.

In dem Land wüten derzeit schwere Kämpfe zwischen Rebellen der Huthi-Miliz und ihren Verbündeten auf der einen und Regierungstruppen auf der anderen Seite. Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi hält sich im Exil auf. Eine Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens unterstützt die mit Hadi verbündeten Truppen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte zuletzt mehrfach vergeblich eine humanitäre Waffenruhe im Jemen gefordert.

Die Bevölkerung des Jemens ist mit 26 Millionen Einwohnern fast so groß wie die Saudi-Arabiens (27,3 Millionen), allerdings im Durchschnitt deutlich jünger.