Die chinesischen Behörden haben mindestens fünf Anwälte und Mitarbeiter der Kanzlei Beijing Fengrui festgenommen. Die Kanzlei vertritt die kürzlich aus der Haft entlassene ZEIT-Mitarbeiterin Zhang Miao. Insgesamt seien mehr als 50 Menschenrechtsanwälte und Aktivisten im Zuge einer landesweiten Razzia in den vergangenen 48 Stunden inhaftiert worden, seien verschwunden oder von der Polizei vorgeladen worden, meldet Amnesty International (AI).

Beijing Fengrui ist bekannt dafür, Journalisten zu ihren Klienten zu zählen, die sich mit Menschenrechtsfällen befassen. Bereits am Freitag hatte ZEIT ONLINE von der Festnahme von Zhangs Anwalt Zhou Shifeng berichtet. Der Anwalt hatte am Donnerstag noch gemeinsam mit Zhang ein Pekinger Hotel bezogen, wurde in der Nacht dann aber von Unbekannten aus seinem Zimmer geholt, sagte Zhangs Bruder. 

Unter den weiteren Festgenommenen ist nach Angaben von Amnesty International auch die bekannte Menschenrechtsanwältin Wang Yu. Niemand wisse, wo sie jetzt sei, teilte die Organisation mit. Das Vorgehen der Polizei sei Teil einer landesweiten Kampagne gegen Menschenrechtsaktivisten.  

Zhang Miao war im Oktober in Peking auf dem Weg zu einer Dichterlesung zur Unterstützung der prodemokratischen Demonstrationen in Hongkong festgenommen worden. Ihr wurde Erregung öffentlichen Ärgernisses vorgeworfen. Die Behörden hätten sich jetzt aber entschieden, keine Anklage zu erheben, sagte ihr inzwischen inhaftierter Anwalt Zhou Shifeng. Er hatte unter anderem argumentiert, dass die Staatsanwälte Beweise gegen die Journalistin unter Zwang und Folter gesammelt hätten.

Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen waren damals in einer Verhaftungswelle Dutzende Menschen in der Volksrepublik wegen Unterstützung der Proteste in Hongkong festgenommen worden. DIE ZEIT setzte sich im Anschluss ebenso wie die Bundesregierung bei der chinesischen Regierung für Zhang ein.