Die syrische Armee gibt wegen fehlender Soldaten Gebiete im Land zugunsten von strategisch wichtigen Positionen auf. "Manchmal, unter bestimmten Umständen, müssen wir Gebiete aufgeben, um unsere Kräfte auf die Regionen zu konzentrieren, die wir halten wollen", sagte Staatschef Baschar al-Assad in einer Fernsehansprache. "Die Armee ist schlagkräftig... Alles ist verfügbar, aber uns fehlt Personal", sagte er. Die Rebellengruppen bekämen inzwischen zudem deutlich mehr Unterstützung aus dem Ausland, sagte Assad mit Blick auf Saudi-Arabien und die Türkei. Der Krieg werde aber kompromisslos weitergeführt.

Assad hat nun eine Generalamnestie für Armee-Deserteure und Wehrdienstverweigerer erlassen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, sollen sich ins Ausland geflohene Soldaten binnen zwei Monaten bei den Behörden melden, um von der Amnestie zu profitieren. Deserteure, die sich in Syrien aufhalten, sollen einen Monat Zeit bekommen. Eine Frist für Wehrdienstverweigerer wurde nicht genannt.

Ein Vertreter der syrischen Armee sagte, die Amnestie gelte nicht für Soldaten, die nach ihrer Fahnenflucht an Kämpfen gegen die Regierung teilgenommen hätten oder "Blut an den Händen" hätten.

Die syrische Armee ist nach mehr als vier Jahren Kampf gegen Rebellen und Dschihadisten stark geschwächt. Seit Beginn des Konflikts im März 2011 wurden mehr als 80.000 Soldaten der Regierungstruppen und verbündeter Milizen getötet. Die hohe Opferzahl hat zur Folge, dass selbst regierungstreue Syrer ihren Militärdienst nicht ableisten wollen. Laut der den Rebellen nahestehenden Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben sich 70.000 Syrer ihrem Dienst entzogen. Die Angaben der Beobachtungsstelle können nicht überprüft werden. Anfang Juli startete die Regierung eine Kampagne, um Bürger für den Dienst in den Streitkräften zu gewinnen.

Es ist das zweite Mal innerhalb etwa eines Jahres, dass Assad einen Straferlass verkündet. Im Juni 2014 hatte der syrische Staatschef eine "Generalamnestie" angekündigt, nach der alle Häftlinge entlassen werden sollten, die bis dahin verurteilt worden waren. Er bezeichnete dies als Geste der "Versöhnung" in dem Bürgerkriegsland. Die Umsetzung verlief jedoch schleppend, und zahlreiche politische Gefangene blieben weiter in Haft.

In seiner ersten öffentlichen Rede seit einem Jahr verteidigte Assad seine Politik gegenüber den Aufständischen. Sein Land wolle keinen Krieg, beteuerte der Staatschef, der 2011 Demonstrationen der Opposition niederschlagen ließ. Die syrische Armee schlage aber "Terroristen" wo nötig zurück, fügte er hinzu. Diplomatische Initiativen zur Beilegung des Konflikts nannte er hohl und bedeutungslos, wenn sie nicht darauf abzielten, den Terrorismus zu bekämpfen.

Assad hatte zuletzt eine Reihe von Rückschlägen in dem Krieg gegen verschiedene Rebellengruppen einschließlich des "Islamischen Staates" (IS) hinnehmen müssen. Seine Truppen verloren den Großteil der nordwestlichen Provinz Idlib und wichtige Gebiete an der Südgrenze des Landes. Im Mai hatte der IS zudem die in Zentral-Syrien gelegene Stadt Palmyra erobert.