Bei einem Selbstmordattentat in der Stadt Maroua im Norden Kameruns sind mindestens 19 Menschen getötet worden. Es handelt sich bereits um das dritte Selbstmordattentat in Maroua seit Mittwoch. Wie die lokale Webseite Cameroon-Info.net berichtete, zündete offenbar eine junge Frau den Sprengsatz. Es sei zu befürchten, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen werde, da viele Menschen lebensgefährlich verletzt seien. "Wir zählen weiterhin die Toten und Verwundeten", sagte der Gouverneur der Region Extrême-Nord, Midjiyawa Bakari.


Erst am Mittwoch waren bei zwei Selbstmordanschlägen auf einem belebten Marktplatz und in einer Wohngegend in Maroua mindestens 20 Menschen getötet worden. Eine der beiden Attentäterinnen war laut Behördenangaben ein neunjähriges Mädchen, das als Bettlerin verkleidet worden war. Boko Haram ist bekannt dafür, junge Mädchen zu Selbstmordattentaten zu zwingen.

Der kamerunische Kommunikationsminister Issa Tchiroma Bakary rief seine Landsleute und vor allem die Bewohner von Maroua auf, Ruhe zu bewahren, schrieb Cameroon-Info.net. Zunächst übernahm niemand die Verantwortung für den erneuten Anschlag. Allerdings steckte die Terrorgruppe Boko Haram in diesem Jahr hinter mehreren Selbstmordangriffen in der Region am Nordzipfel Kameruns, die an Nigeria und den Tschad grenzt.

Außerdem haben mutmaßliche Kämpfer der Islamistengruppe im Nordosten Nigerias erneut mehrere Dörfer überfallen und mindestens 25 Menschen getötet. In der Ortschaft Maikadiri im Süden des Bundesstaats Borno erschossen die Angreifer 21 Menschen, wie Überlebende berichteten. In dem Ort Yaffa wurden nach Behördenangaben vier Einwohner getötet.

Die Islamisten waren demnach auf Motorrädern in die Dörfer Maikadiri, Kopa und Yaffa eingedrungen. In Maikadiri schossen sie laut Berichten von Überlebenden auf die Bewohner und brannten mehrere Häuser und Läden nieder. Nach ihren Angaben war der Angriff am Tag nur möglich, weil das Dorf ungeschützt war. Maikadiri liegt in der Nähe des Sambisa-Waldes, wo das nigerianische Militär Anfang Mai nach eigenen Angaben mehrere Boko-Haram-Lager zerstört und Hunderte Geiseln befreit hatte. Nach übereinstimmenden Berichten von Gouverneuren aus dem Nordosten Nigerias steht das riesige Waldgebiet aber nach wie vor unter Kontrolle von Boko Haram.

Boko Haram will in der Region ein islamisches Kalifat errichten und hat der Terrormiliz "Islamischer Staat" seine Gefolgschaft zugesichert. In dem Konflikt wurden nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 15.000 Menschen getötet. Bei mehreren Überfällen wurden Hunderte Mädchen und junge Frauen entführt – unter anderem die 276 Schülerinnen von Chibok, für die sich die Kampagne Bring back our girls einsetzt.

Nigerias neuer Präsident Muhammadu Buhari kündigte bei seinem Amtsantritt Ende Mai einen entschlossenen Einsatz gegen die Islamisten an. Seitdem wurden bei neuen Gewalttaten jedoch mehr als 800 Menschen getötet. Seit Kamerun und andere Nachbarländer Nigeria bei einer gemeinsamen Militäroffensive unterstützen, verübt Boko Haram auch dort Anschläge.