Bei der Debatte des griechischen Parlaments über ein zweites Reformpaket hat Ministerpräsident Alexis Tsipras seine Eingeständnisse gegenüber den internationalen Gläubigern verteidigt. Die Reformen seien ein notwendiger Preis, um Griechenland finanziell am Leben zu erhalten, nachdem die Gespräche mit den Geldgebern beinahe gescheitert seien, sagte der 40 Jahre alte Regierungschef vor den Abgeordneten in Athen.

"Es gibt keinen Zweifel, dass der Prozess, den wir heute verfolgen, kein normaler Prozess ist", sagte Tsipras. "Die Hauptsache ist aber, dass wir zu einem harten Kompromiss geführt wurden, auf dessen Basis wir heute versammelt sind, um während eines Ausnahmezustandes Gesetze zu erlassen."

Tsipras schloss einen Rücktritt aus, der zuletzt diskutiert worden war, nachdem er bei der Abstimmung über ein erstes Reformpaket seine Regierungsmehrheit verloren hatte. "Die Präsenz der Linken in dieser Regierung geht nicht um das Streben nach Ämtern, es ist eine Bastion, von der wir für die Interessen des Volkes kämpfen", so Tsipras. "Und was mich betrifft, ich werde diese Bastion nicht verlassen, zumindest mit meinem eigenen freien Willen."

Die Parlamentsdebatte war auch am frühen Donnerstagmorgen noch nicht zu Ende. Im Anschluss sollten die Abgeordneten über das Paket abstimmen. Es wurde damit gerechnet, dass die Reformen trotz Abweichlern in Tsipras' Syriza-Fraktion bestätigt werden. Die Opposition stützt die Sparpläne. Sobald das Parlament zugestimmt hat, sollen Verhandlungen mit den Gläubigern über ein drittes Rettungsprogramm beginnen.

Bevor die Debatte über das Reformpaket begonnen hatte, demonstrierten rund 10.000 Menschen vor dem Parlament gegen die Maßnahmen, die eine Banken- und eine Justizreform vorsehen. Einige wenige Jugendliche warfen Molotowcocktails auf die Polizei. Berichte über Verletzte oder Festnahmen gab es aber nicht.