Rund 137.000 Menschen sind nach UN-Angaben seit Jahresbeginn über das Mittelmeer nach Europa geflohen. "Europa erlebt eine maritime Flüchtlingskrise von historischem Ausmaß", teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Genf mit. Die Zunahme im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dramatisch: Die Zahlen stiegen um 83 Prozent.

Laut des Berichts floh der Großteil der Menschen aufgrund von Krieg, Konflikten und Verfolgung. Etwa ein Drittel der Flüchtlinge kommt aus Syrien, die anderen beiden großen Gruppen kommen aus Afghanistan und Eritrea. Die meisten Flüchtlinge erreichen Europa über das östliche Mittelmeer, sie kommen von der Türkei nach Griechenland. Es sind inzwischen mehr Flüchtlinge, die diese Route nehmen als von Nordafrika nach Italien.

Das UNHCR geht davon aus, dass die Zahlen über die Sommermonate weiter steigen. Schon im vergangenen Jahr hätte sich die Zahl der Flüchtlinge in der zweiten Hälfte des Jahres noch einmal nahezu verdoppelt, heißt es in dem Papier.

Auch die Zahl derer, die die Flucht über das Mittelmeer nicht überleben oder immer noch vermisst werden, ist gestiegen. In den ersten drei Monaten des Jahres starben 479 Menschen auf dem Meer oder werden noch vermisst – im Vergleich zu 15 toten und vermissten Flüchtlingen im gleichen Zeitraum 2014. Alleine in diesem April starben oder verschwanden 1.308 Flüchtlinge auf der Überfahrt,  2014 waren es noch 42.

Einen leichten Rückgang verzeichnete das UNHCR in den vergangenen zwei Monaten. Im Mai und Juni dieses Jahres seien es zusammen 80 gewesen, sagte UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres – deutlich weniger als im Vergleich zum Vorjahr. Er sieht den Rückgang als gutes Zeichen und Beleg für eine bessere Asylpolitik. "Wir müssen dennoch wachsam bleiben", sagte Guterres. Die Gefahr sei für Tausende noch immer sehr real. "Europa hat eine deutliche Verantwortung, denjenigen zu helfen, die Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen."