Die USA haben das Urteil im Berufungsprozess gegen drei Reporter des arabischen Senders Al Jazeera kritisiert. Der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, forderte die ägyptische Regierung auf, alles zu tun, um das Urteil zu beseitigen. Die Freiheit der Presse, zu recherchieren, zu berichten und zu kommentieren, sei grundlegend für jede freie Gesellschaft und wesentlich für die demokratische Entwicklung. Die USA seien sehr enttäuscht und besorgt über das Urteil.

Das Gericht in Kairo hatte die Angeklagten zu je drei Jahren Haft verurteilt und damit die Strafe verringert. Die Journalisten waren Mitte 2014 in erster Instanz des international kritisierten Verfahrens zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie die verbotene Muslimbruderschaft unterstützt haben sollen. Die Angeklagten hätten Falschinformationen verbreitet und seien nicht als Journalisten akkreditiert gewesen, sagte der Richter. Das oberste Gericht ordnete aber nach Protesten eine Neuauflage des Verfahrens an.

Das kanadische Außenministerium sprach ebenfalls von einem Angriff auf die Pressefreiheit und forderte, den Kanadier Fahmy sofort heimkehren zu lassen. Die australische Außenministerin Julie Bishop erklärte, sie sei bestürzt über das Urteil. Die EU nannte die Gerichtsentscheidung einen Rückschritt für die Meinungsfreiheit in Ägypten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnete die Strafen als "Affront gegen die Gerechtigkeit, der die Totenglocke für die freie Meinungsäußerung in Ägypten läutet".

Schon das erste Urteil gegen die Journalisten hatte international scharfe Kritik ausgelöst. Präsident Abdel Fattah al-Sissi sagte schließlich selbst, er wünschte, die Journalisten wären nie vor Gericht gestellt worden.

Vor Gericht standen der australische Journalist Peter Greste und seine Kollegen Mohamed Fahmy und Baher Mohammed. Greste wurde in Abwesenheit verurteilt, nachdem er Anfang des Jahres nach einem Erlass von Präsident Abdel Fattah al-Sissi aus der Haft entlassen und abgeschoben worden war. Der Kanadier Mohamed Fahmy gab im Gegenzug für die Freilassung seine ägyptische Staatsbürgerschaft auf, durfte das Land aber nicht verlassen.

Greste reagierte per Twitter auf das Urteil: "Schockiert. Empört. Wütend. Aufgebracht. Nichts davon kann ausdrücken, wie ich mich gerade fühle", schrieb der Australier. Der Generaldirektor von Al Jazeera, Mustafa Suak, erklärte: "Das Urteil widerspricht der Logik und dem gesunden Menschenverstand." Das Verfahren sei hoch politisiert und nicht frei gewesen. Greste fügte hinzu, die Augen der Welt schauten auf Ägypten. "Es liegt nun an Präsident Al-Sissi, zu tun, was er von Anfang an gesagt hat, dass er es tun wird – uns zu begnadigen, sollten wir jemals verurteilt werden. Das ist Unrecht, jeder weiß, dass es falsch ist."

Die Ende 2013 verhafteten Journalisten sehen sich als Opfer eines Konflikts zwischen Ägypten und Katar. Al Jazeera gehört der Herrscherfamilie des Emirats, das die Muslimbruderschaft unterstützt. Inzwischen haben sich Kairo und Doha wieder angenähert. Das ägyptische Militär hatte 2013 unter Führung des heutigen Präsidenten Al-Sissi den frei gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt. Sicherheitskräfte gehen seitdem hart gegen die Muslimbrüder vor.