Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist überraschend zu einem Besuch in Afghanistan eingetroffen. In der Hauptstadt Kabul stehe unter anderem ein Treffen mit Präsident Aschraf Ghani auf dem Programm, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Wegen der jüngsten Anschläge mit mehreren Dutzend Toten findet der Besuch unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Vorsichtshalber wurde die Reise bis zur Landung in Kabul auch geheim gehalten.

Steinmeier hob in einer vorab formulierten Erklärung hervor, er reise in einer "schwierigen Phase nach Afghanistan". In den vergangenen Wochen habe es Anschläge mit Dutzenden Todesopfern gegeben und die gerade begonnenen Friedensgespräche der afghanischen Regierung mit den radikalislamischen Taliban seien "in einer kritischen Phase". Trotz der Anschlagsserie will sich Steinmeier bei der afghanischen Regierung für eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit den radikalislamischen Taliban-Milizen einsetzen. Eine Aussöhnung innerhalb des Landes sei der "einzige vernünftige Weg" für eine Beendigung des jahrzehntelangen Konflikts, schrieb der SPD-Politiker. "Die einzigartige Chance der begonnenen Friedensgespräche darf nicht vertan werden."

Im Juli hatte es ein erstes offizielles Treffen zwischen der afghanischen Regierung und Taliban gegeben. Nach den ersten Anschlägen setzte Ghani die Gespräche jedoch aus. Die Attentate stehen vermutlich in Zusammenhang mit einem Machtkampf innerhalb der Taliban nach dem Tod des Milizenführers Mullah Omar. Der neue Taliban-Chef Akhtar Mohammed Mansur kündigte zuletzt eine Fortsetzung des Dschihad an, ließ aber in einer Stellungnahme erklären, die Verbrechen der IS-Miliz seien brutal und "unerträglich".

Steinmeier versicherte Afghanistan weitere deutsche Unterstützung, auch nach dem Abzug der letzten deutschen Kampftruppen vor neun Monaten. "Die Menschen in Afghanistan können weiter auf die Solidarität Deutschlands zählen." Seit dem Sturz der Taliban 2001 hat Berlin mit mehr als vier Milliarden Euro geholfen. Der Nato-geführte Kampfeinsatz in Afghanistan wurde 2014 beendet. Die Bundeswehr ist noch mit etwa 800 Soldaten im Einsatz, die örtliche Sicherheitskräfte beraten und ausbilden. Deutschland und Afghanistan feiern in diesem Jahr 100 Jahre diplomatische Kontakte.