Der neue Anführer der Taliban, Akhtar Mohammed Mansur, hat die Fortsetzung des Kampfes gegen die afghanische Regierung angekündigt und damit Hoffnung auf eine baldige Einigung in den Friedensverhandlungen zerstreut. "Es ist unser aller Verantwortung, den Dschihad fortzuführen, bis wir den islamischen Staat etabliert haben", sagte Mansur in einer Audiobotschaft, die Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid an Journalisten verteilte. Der Gegner wäre froh über eine Spaltung, heißt es in der 30-minütigen Rede. Die US-Regierung hatte die Hoffnung geäußert, dass der Tod von Mansurs Vorgänger Mullah Omar eine Chance biete, auf dem Weg zu einem "stabilen, sicheren Afghanistan" voranzukommen.

Ob in der Rede wirklich die Stimme Mansurs zu hören ist, war zunächst nicht verifizierbar. Mudschahid ist für die gesamte Kommunikation der Rebellen verantwortlich, insofern gilt er als zuverlässige Quelle.

Die Stimme in der Botschaft bezieht sich auch konkret auf die Friedensgespräche zwischen Taliban und afghanischer Regierung. Daraus war zunächst nicht zu erkennen, ob die Stimme die Verhandlungen unterstützt oder nicht. Nicht alle Taliban stehen hinter den Friedensgesprächen, die zerstrittenen Lager drohen durch den Tod Omars endgültig auseinanderzufallen. Er hatte es immerhin vermocht, auch nach dem Zerfall des afghanischen Emirats die Taliban zusammenzuhalten.

Die afghanische Regierung hatte am Mittwoch bekannt gegeben, Mullah Omar sei bereits seit April 2013 tot. Die Taliban bestätigten am Tag darauf, dass Omar gestorben sei und sie Mansur zu dessen Nachfolger gewählt hätten. Eine für Freitag angesetzte Verhandlungsrunde sagten die Taliban daraufhin ab.

Zuletzt war die Skepsis gewachsen. Mansur, der de facto längst das Tagesgeschäft von Omar übernommen hatte, stand bisher für jene Fraktion der Taliban, die einen Ausgleich verhandeln wollten und sich in den afghanischen Staat hätten einbinden lassen können. Auf der anderen Seite sammeln sich die Hardliner unter anderem um den kürzlich entmachteten militärischen Führer der Taliban und ehemaligen Guantanamo-Insassen Abdul Kajum Sakir und den ältesten Sohn Omars, Mullah Mohammed Jakoob, der offenbar das Erbe seines Vaters antreten will. Sie setzen offen weiter auf den bewaffneten Kampf und lehnen den Friedensprozess ab.

Dass die Friedensgespräche trotz der Spaltung der Taliban überhaupt eine ernsthafte Chance darstellten, soll Mullah Omars Verdienst gewesen sein. So erschien es zumindest bis zu der Todesnachricht. Zum Auftakt der Gespräche am 7. Juli wurde eine angebliche Mitteilung von ihm verbreitet, in der er die Verhandlungen für legitim erklärte – anders als früher, als er alle Bemühungen etwa der Amerikaner um einen Dialog mit den Taliban strikt abblockte. Seine Worte waren von entscheidender Bedeutung: Zum Ende des Ramadans, das war auch diesmal der Anlass, hatte er seit Jahren immer eine Botschaft an seine Anhänger gerichtet, und als ihr Führer auch im Religiösen, als Amir al-Muminin (Herrscher der Gläubigen), galt sein Urteil. Nun vollzieht sein Nachfolger Mansur offenbar erneut eine Kehrtwende.