Der Chef der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, hat laut US-Geheimdienstinformationen mehrmals die amerikanische Geisel Kayla Mueller vergewaltigt. Dies haben Geheimdienstmitarbeiter der Familie der getöteten 26-Jährigen mitgeteilt. Mueller wurde demnach eine Zeit lang von einem Kommandeur der Terrormiliz, Abu Sayyaf, und seiner Frau, Umm Sayyaf, gefangen gehalten. Al-Bagdadi habe die Entwicklungshelferin als "Ehefrau" genommen und sie bei mehreren Besuchen sexuell missbraucht, berichtete eine 14-jährige Jesidin, die mit Mueller in Gefangenschaft gelebt hatte und im Oktober 2014 geflüchtet war.

Die Jesidin flüchtete in den kurdischen Teil des Iraks, wo sie im November 2014 mit US-Soldaten sprach. Die Geheimdienste bestätigten ihre Angaben und leiteten sie an die Eltern von Mueller weiter. "Sie sagten uns, dass er sie geheiratet habe, und wir wussten alle, was das bedeutet", sagte Kaylas Vater Carl Mueller. "Uns wurde gesagt, dass Kayla gefoltert wurde, dass sie das Eigentum von Al-Bagdadi war." Am Freitag wäre Kayla Mueller 27 Jahre alt geworden. Ihr Tod wurde im Februar vermeldet.

Ihre Mutter Marsha Mueller fügte hinzu: "Kayla hat diesen Mann nicht geheiratet. Er hat sie in seinen Raum gebracht und sie missbraucht, und sie kam weinend zurück." Umm Sayyaf habe während eines Verhörs bestätigt, dass Al-Bagdadi die junge Amerikanerin "besessen" habe. Ein mit dem Fall vertrauter US-Beamter bestätigte den Fall. Zunächst hatte die britische Tageszeitung The Independent darüber berichtet. Abu Sayyaf war im Juni im Osten Syriens bei einem Einsatz der Delta Force, einer US-Eliteeinheit, getötet worden. Er hatte beim IS eine führende Rolle bei illegalen Öl- und Gasgeschäften sowie Militäroperationen inne.

Todesumstände weiter unklar

Mueller war den Informationen zufolge mit drei anderen Frauen gefangen gehalten worden, die allesamt Jesidinnen waren. Sie alle wurden zu Sex gezwungen. Nachdem sich Al-Bagdadi in seinem Raum in Abu Sayyafs Anwesen an Mueller vergangen habe, sei sie weinend zu ihren Mitgefangenen zurückgekehrt und habe berichtet, was passiert sei. "Kayla versuchte, diese jungen Mädchen zu schützen", sagte ihre Mutter. "Sie war wie eine Mutter für sie."

Mueller stammte aus Prescott im US-Bundesstaat Arizona und wurde im August 2013 gemeinsam mit ihrem Freund Omar Alchani in der syrischen Stadt Aleppo entführt. Mueller hatte dort für eine Hilfsorganisation gearbeitet. Alchani wurde nach zwei Monaten freigelassen. Der IS behauptet, Mueller sei während eines jordanischen Luftangriffs nahe Rakka, der De-facto-Hauptstadt der Terrormiliz, getötet worden. Die USA bestätigten ihren Tod, allerdings nicht die Umstände.