Zwei Wochen nach der Explosionskatastrophe in der chinesischen Hafenstadt Tianjin hat die Polizei erste Fortschritte ihrer Ermittlungen bekannt gegeben. Man ermittele jetzt gegen 23 Verdächtige, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Darunter sind laut China News Service Beamte des Transportministeriums, der Stadtregierung, der Aufsichtsorgane und des Hafenbetreibers. Zwölf Menschen seien formell festgenommen worden, hieß es.

Dazu gehören der Vizeinspekteur des Transportministeriums in Peking, der Leiter der städtischen Transportkommission, der Chef des Hafenbetreibers Tianjin Port, Aufsichtsbeamte der Binhai Entwicklungszone, in der das explodierte Gefahrgutlager liegt, weiterhin Führungskräfte des Unternehmens Ruihai Logistik, dem das Gefahrgutlager gehörte, und der Beratungsfirma Zhongbin Haisheng. Deren Sicherheitsgutachten hatte die Umwandlung des Lagerhauses im Hafen in ein Gefahrgutlager ermöglicht. Es liegt nur 600 Meter von Wohnsiedlungen entfernt.

Die beiden Chefs des Unternehmens Ruihai, Yu Xuewei und Dong Shexuan, hätten ihre Beziehungen ausgenutzt, um an Genehmigungen für den Betrieb des Lagers zu kommen, hieß es von der Staatsagentur Xinhua. Auch hätten sie zeitweise ohne Lizenz die Chemikalien transportiert. Dong Shexuan ist der Sohn des früheren Polizeichefs des Hafens. Laut Staatsanwaltschaft wird zudem gegen elf Behördenvertreter wegen Machtmissbrauchs und Dienstpflichtverletzung ermittelt.

In China folgt eine formelle Festnahme meist nach einiger Zeit im Polizeigewahrsam. Mit der offiziellen Festnahme geht der Fall an die Staatsanwaltschaft. Ein Prozess und eine Verurteilung des Beschuldigten sind dann so gut wie sicher.

In Tianjin war am 12. August bei mehreren gewaltigen Explosionen ein Gefahrgutlager im Hafen in die Luft geflogen. Das Lager und seine Umgebung wurden komplett zerstört. In dem Lager waren Tausende Tonnen gefährlicher Chemikalien zwischengelagert, darunter allein 700 Tonnen hochgiftiges Natriumzyanid. 

Die Zahl der Todesopfer stieg bis Mittwoch auf 139. 34 Menschen werden nach Behördenangaben noch vermisst, mehr als 500 weitere liegen noch immer im Krankenhaus.

Im Wasser war die Belastung mit Zyanid an sechs Stellen nahe dem Explosionsort auf übermäßige Werte gestiegen, teils auf das 32-fache des Grenzwertes.

Am Mittwoch war der Chef der chinesischen Arbeitsschutzbehörde, Yang Dongliang, entlassen worden. Er war zeitweise Vizebürgermeister von Tianjin gewesen.