Die momentane Flüchtlingskrise ist nach Einschätzung der EU-Kommission die schlimmste seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Europa sei verpflichtet das Problem auf eine "anständige, zivilisierte und europäische Art und Weise zu lösen", sagte der für Migration zuständige Kommissar Dimitris Avramopoulos. Flüchtlinge müssten willkommen geheißen werden.

Im Moment würden viele Flüchtlinge Europa vor allem über Ungarn erreichen. Dort seien im vergangenen Monat 35.000 Menschen angekommen. "Dies bedeutet, dass Ungarn sich Italien und Griechenland anschließt als einer der exponiertesten Mitgliedsstaaten, in vorderster Front", sagte Avramopoulos.

Ungarn Ministerpräsident Viktor Orbán hatte im Juli gesagt, "Europa muss weiter den Europäern gehören", und veranlasst, eine 175 Kilometer lange und vier Meter hohe Mauer an der Grenze zu Serbien zu bauen. Flüchtlingen soll es so erschwert werden, in das Land zu kommen. "Die Kommission befürwortet die Nutzung von Zäunen nicht", sagte Avramopoulos.

Die Lage in seinem Heimatland nannte der Kommissar dringlich. Die Zahl der Menschen hätte stark zugenommen, die in dem Land Asyl suchen. Im Juli dieses Jahres seien es 50.000 gewesen, vergangenes Jahr 6.000. Griechenland werde in den nächsten vier bis fünf Tagen 30 Millionen Euro erhalten. Es ist die Tranche von insgesamt 474 Millionen Euro, die dem Mitgliedsstaat bis 2020 ausgezahlt werden sollen, um die Flüchtlingskrise zu bewältigen.

Tausende Flüchtlinge hatten in den vergangenen Tagen die ägäische Insel Kos erreicht. Dort sei die Lage chaotisch gewesen, teilten mehrere NGOs mit. Es kam zu Ausschreitungen. Daraufhin schickte die griechische Regierung eine Fähre, um die Flüchtlinge nach Athen zu bringen. Die Polizeipräsenz auf Kos wurde erhöht.