Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat nach Einschätzung der US-Regierung bei einem Angriff auf kurdische Kämpfer im Nordirak offenbar Senfgas eingesetzt. Das berichteten mehrere Medien wie das Wall Street Journal und der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf amerikanische Regierungskreise. "Wir haben glaubwürdige Informationen, dass es sich um Senfgas gehandelt hat", sagte ein Behördenvertreter dem WSJ. Sollte sich die Vermutung bestätigen, wäre es das erste Mal, dass der Einsatz einer verbotenen Chemikalie durch den IS bekannt wird.

Zwar hatten IS-Kämpfer nach Informationen von US-Geheimdiensten bereits in der Vergangenheit Chemiewaffen eingesetzt. Dabei soll es sich aber um Chlorgas gehandelt haben. Der Besitz von Chlorgas ist im Gegensatz zu Senfgas nach der Chemiewaffenkonvention nicht verboten, weil es auch für zivile Zwecke eingesetzt werden kann.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass kurdische Peschmerga-Kämpfer im Norden des Irak mit Giftgas beschossen worden seien. Um welche Chemikalie es sich dabei gehandelt haben soll, wurde zunächst jedoch nicht bekannt. Man nehme die Vorwürfe "sehr ernst", brauche aber weitere Informationen, sagte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Alistair Baskey. Jeder Einsatz chemischer oder biologischer Waffen verstoße gegen internationale Standards und Normen.

Regierungsvertreter sagten dem Wall Street Journal, der IS könnte das Senfgas in Syrien erlangt haben. Dort hatte die Regierung von Präsident Baschar al-Assad im Jahr 2013 zugegeben, große Mengen der Chemiewaffe zu besitzen. Nach einer Giftgasattacke hatte sie auf Druck der USA und Russlands der Beseitigung oder Zerstörung der Chemiewaffenarsenale zugestimmt. Internationale Beobachter konnten jedoch nicht verifizieren, ob das Assad-Regime das Versprechen tatsächlich vollständig erfüllt hat