Während er selbst das Thema Umwelt bei seiner Wahlkampf-Kampagne zur Wiederwahl 2012 möglichst vermied, hat er den Klimawandel jetzt zum kontroversen Diskussionspunkt für seine potenziellen Nachfolger gemacht. Vor allem Parteifreundin Hillary Clinton muss sich damit beschäftigen. Die äußerte sich zwar positiv zu dem Vorstoß und bezeichnete ihn als einen bedeutenden Schritt nach vorne – er würde die Wirtschaft stärken und die Umwelt schützen. Aber über das von Obama aufgedrückte brisante Thema dürfte sie wenig erfreut sein.

Mit seinem Vorstoß zwingt Obama allerdings auch die republikanischen Kandidaten zu einer Reaktion. Die stecken derzeit im heißen Vorwahlkampf. Um als Präsidentschaftskandidat gekürt zu werden, müssen die Anwärter vor allem die konservative Basis aktivieren. Viele sehen in Klimaschutzvorstößen den Versuch, die US-Wirtschaft zu schrumpfen. Entsprechend fielen die Reaktionen der Kandidaten aus. "Dieser Plan ist ein Desaster und wir sollten dringend etwas dagegen tun", wetterte Floridas ehemaliger Gouverneur Jeb Bush. Auf Twitter machte auch Governeur Mike Huckabee, ebenfalls ein Kandidat, seinem Ärger Luft. "Wie kann diese Regierung vorgeben, sich für die Amerikaner einzusetzen und gleichzeitig etwas tun, was 1,4 Millionen Jobs kosten wird?" Obama hingegen hatte die Maßnahmen in seiner Rede diesbezüglich verteidigt, in den Sektoren der erneuerbaren Energien würden durch den Plan viele neue Jobs geschaffen.

Ob Obamas Umweltvorstoß beim Wahlvolk ankommt, ist keineswegs ausgemacht. Grundsätzlich taten die Amerikaner es ihrem Präsidenten gleich und behandelten das Thema Umweltschutz in den vergangenen Jahren eher stiefmütterlich. Laut einer Studie des Pew Research Centers ist die Unterstützung des Keystone-Pipeline-Projekts nach wie vor hoch, nicht nur unter den republikanischen Wählern. Allerdings schwindet diese Zustimmung in beiden politischen Lagern. Gleichzeitig wächst die Anzahl der Befürworter strengerer Umweltauflagen: 64 Prozent der Amerikaner gaben vergangenen November an, die striktere Regulierung der CO2-Emissionen zu befürworten.

Egal wie der Streit in den USA selbst weitergeht: Die auf dem Papier gültigen strikten Clean-Power-Vorschriften geben Obama erst einmal die Möglichkeit, international Druck auszuüben und auch in anderen Ländern schärfere Klimaschutzregeln einzufordern. Eine deutliche Reduzierung der CO2-Emissionen war auch das Kernstück von Obamas Vereinbarung mit dem chinesischen Premier Xi Jinping im vergangenen Jahr. China und die USA sind die größten Emittenten von Treibhausgasen weltweit. Obamas aktueller Vorstoß gibt ihm entsprechende Munition beim anstehenden UN-Gipfel im kommenden Dezember in Paris, wo ein neuer Klimaschutzpakt ausgehandelt werden soll.