Drei Wochen nach dem Mord an einem Pressefotograf, einer Menschenrechtsaktivistin und drei weiteren Frauen hat sich Mexikos Staatschef Enrique Peña Nieto sich erstmals öffentlich dazu geäußert und einen besseren Schutz von Journalisten und Menschenrechtsaktivisten zugesagt. Er habe das Innenministerium angewiesen, "weiterhin den Schutzmechanismus für Menschenrechtsaktivisten und Journalisten zu stärken", erklärte Peña Nieto am Mittwoch in Mexiko-Stadt.

Bei dem "Schutzmechanismus" handelt es sich um ein Programm zum Schutz von mehr als 400 Medienvertretern und Aktivisten, das in der Vergangenheit als ineffizient kritisiert worden war. Wie genaue die Verbesserungen aussehen sollen, teilte der Staatschef nicht mit.

Der 31-jährige Fotoreporter Espinosa, die Aktivistin Nadia Vera und drei weitere Frauen waren Ende Juli in einem Haus in Mexiko-Stadt tot aufgefunden worden. Espinosa, der vor allem für die Zeitschrift "Proceso" und die Zeitung "AVC Noticias de Veracruz" arbeitete, verließ den Bundesstaat am Golf von Mexiko im Juni, nachdem er Drohungen erhalten hatte. Er floh in die Hauptstadt, da diese als relativ sicher galt. Ein Verdächtiger wurde in dem Fall festgenommen, bei dem ein politischer Hintergrund vermutet wird.

Schriftsteller fordern in offenem Brief Aufklärung

Vor ein paar Tagen hatten fast 500 bekannte Schriftsteller wie der US-Autor Paul Auster und sein britischer Kollege Salman Rushdie, Journalisten und Intellektuelle in einem offenen Brief an Peña Nieto eine "sofortige und effektive Aufklärung" der Tat. In Mexiko seien "die Statistiken zur Straflosigkeit bei Gewalttaten gegen Journalisten alarmierend", hieß es auf der Website des Autorenverbandes PEN.

Espinosas Familie forderte den Staatschef am Mittwoch auf, die Ermittlungen zu der Bluttat "bis zum bitteren Ende" zu führen. In einem Brieg, den die Medienrechtsgruppe Artículo 19 veröffentlichte, sprachen die Angehörigen von einer "Welle der Gewalt gegen die Presse und kritische Stimmen".

Seit dem Jahr 2000 wurden in Mexiko nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen 89 Journalisten getötet, 17 weitere verschwanden.