Die Anwälte des ägyptischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi haben Berufung gegen eine Verurteilung zum Tode eingelegt. Auch eine weitere Verurteilung zu lebenslanger Haft fechten sie an. Der Einspruch sei vor dem Berufungsgericht geltend gemacht worden, sagte Mursis Anwalt Abdel Moneim Abdel Maksud am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Die unabhängige Tageszeitung Al-Masry Al-Youm zitierte einen Verteidiger, die Entscheidung des Gerichts beruhe auf mangelhaften Beweisen.

Nun muss Ägyptens höchstes Berufungsgericht entscheiden, ob dem Antrag stattgegeben wird. Ein Kairoer Gericht hatte im Juni das im Mai verkündete Todesurteil gegen Ägyptens ersten frei gewählten Präsidenten bestätigt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Islamist Anfang 2011 gemeinsam mit der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah eine Flucht aus dem Gefängnis organisiert hatte. Menschenrechtsorganisationen und Regierungen hatten das Verfahren sowie das Urteil wiederholt als unfair kritisiert. In einem weiteren Prozess wurde Mursi wegen des Vorwurfs der Spionage für die Hamas, die Hisbollah und den Iran zu lebenslanger Haft verurteilt.

Mursi war nach dem Sturz des langjährigen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak der erste demokratisch gewählte Präsident Ägyptens. 2013 wurde er vom Militär entmachtet. Nach Mursis Absetzung kam der heutige Staatschef Al-Sissi an die Macht, der beim Sturz Mursis Armeechef war. Die Muslimbrüder wurden verboten.

Seither wurden mehr als 1.400 Mursi-Anhänger getötet und nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mehr als 40.000 weitere festgenommen. Massenprozesse, bei denen im Schnellverfahren Hunderte Islamisten zum Tode verurteilt wurden, bezeichnete die UN als "beispiellos in der jüngeren Geschichte".