Nordkorea verschärft im Konflikt mit Südkorea weiter den Ton. Pjöngjangs Vizebotschafter bei den UN, An Myong Hun, erklärte vor den Vereinten Nationen, sein Land sei bereit zur Vergeltung. "Wenn Südkorea auf unser Ultimatum nicht antworten wird, werden wir antworten", sagte er. "Es wird zu starken militärischen Gegenmaßnahmen kommen." Zugleich kündigte der Diplomat an, den Sicherheitsrat anrufen zu wollen. Anlass sind die Spannungen zwischen beiden Ländern, die sich in den vergangenen Tagen verschärft hatten.

Nordkorea fühlt sich von Propagandasendungen gestört, die der Süden an der Demarkationslinie wieder aufgenommen hatte, nachdem südkoreanische Soldaten auf eigenem Gebiet von mutmaßlich nordkoreanischen Minen schwer verletzt worden waren.

Die Menschen in Südkorea fürchten eine Verschärfung der Spannungen mit Nordkorea. Mit Spannung wird der Ablauf eines 48-Stunden-Ultimatums erwartet, dass die kommunistische Führung in Pjöngjang Südkorea gestellt hatte, um alle Lautsprecheranlagen entlang der entmilitarisierten Zone (DMZ) abzubauen. Diese dienen der Ausstrahlung von Propagandasendungen gen Norden. Südkorea lehnt das ab. Das Ultimatum läuft am Samstag ab. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief beide Länder zu "größtmöglicher Zurückhaltung" auf.

Nordkoreanische Grenztruppen sind in höchste Gefechtsbereitschaft versetzt

Die Spannungen zwischen beiden Staaten auf der Halbinsel hatten zuletzt deutlich zugenommen. Am Freitag hatte Machthaber Kim Jong Un die nordkoreanischen Grenztruppen in höchste Gefechtsbereitschaft versetzt. Dem vorausgegangen war am Donnerstag ein Schusswechsel zwischen Artillerieeinheiten beider Länder an der Grenze. Seoul gibt dem kommunistischen Regime in Pjöngjang die Schuld dafür, was dieses wiederum zurückweist.

"Alle Frontlinien-Einheiten der Volksarmee sind in einen Kriegszustand eingetreten, um Überraschungseinsätze zu starten", berichteten die nordkoreanischen Staatsmedien am Freitag. Die Vorbereitungen für Angriffe auf südkoreanische Stellungen seien abgeschlossen. Die "Mittel der psychologischen Kriegsführung" auf südkoreanischer Seite seien in Reichweite von Raketenwerfern sowie der taktischen und strategischen Raketenkräfte.

Der nordkoreanische Botschafter in Russland, Kim Hyun Joon, wies Vorwürfe zurück, das Militär des Landes habe das Feuer auf südkoreanisches Gebiet eröffnet. Pjöngjang sei nicht an einer Eskalation der Lage interessiert, betonte Kim nach einer Meldung der Agentur Interfax in Moskau. Er fügte an: "Durch die militärischen und politischen Provokationen der USA und Südkoreas steht die koreanische Halbinsel am Rande eines Krieges."