Wiria, der junge Bürgermeister von Wasan, vor seinem Haus mit seiner Frau Swan und ihrer Tochter Par Wa © Linda Dorigo

Wasan ist eigentlich ein Paradies. Die Menschen, die hier leben, fühlen sich immer wie auf Reisen, so schön sei die Natur, sagen sie. Im Tal müssen sie keine Angst haben, "die Flugzeuge konzentrieren sich auf die Gipfel der Berge, und oft fliegen sie vorbei, ohne anzugreifen", sagt Hawla, dessen Sohn Kamaran in einem Nachbardorf als Lehrer arbeitet. Beide glauben nicht, dass ihr Haus bombardiert werden könnte, trotz der ständigen türkischen Aufklärungsflüge und obwohl nur wenige Kilometer entfernt die Raketen eingeschlagen sind, bleiben sie ruhig. Der 21-jährige Schüler Hassan ist sich sicher: "Sie haben es nicht auf die Zivilisten abgesehen, ihr wahres Ziel ist die Guerilla." Und die ziehe sich eben immer tiefer in die Berge zurück, um nicht ausfindig gemacht zu werden. Doch wo es höher hinaufgeht, treffen die Angriffe auch die Schäfer und Bauern in der Gegend hart: "Tiere wurden getötet, und Hektare an Land sind verbrannt", sagt PKK-Sprecher Hiwa.

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Seit Juni 2014 stemmen sich Kurden-Milizen gegen den Vormarsch des "Islamischen Staats" in den westlichen Provinzen des Iraks und um Kobane in Syrien, im Sindschar-Gebirge verteidigen sie die Jesiden, dabei brechen regelmäßig auch PKK-Kämpfer von den Kandil-Bergen aus in die Schlacht auf. Für ihren Sprecher Zagros Hiwa ist das alles nur noch Nebensache, er nennt die Offensive gegen die Kurden einen Putsch und sagt: "Dies ist die letzte Chance für Erdoğan, den Zustand des Parlaments wiederherzustellen, wie er vor der Wahl war und die HDP aus dem Weg zu räumen." Der Erfolg der kurdischen Partei bei der Wahl in der Türkei im Juni ist eine Bedrohung für die Macht der immer noch übergangsweise regierenden AKP. Die meisten hier in den Bergen sind sich deshalb einig, dass es bei den Angriffen um Innenpolitik geht, nicht um Terrorismus.

"Die HDP hat es gewagt, sich zu erheben, also schafft Erdoğan eine Situation, in der die PKK als Synonym des IS gesehen wird, als der internationale Feind, den man bekämpfen muss", meint der Lehrer Kamaran. Es gehe darum, die Kurden in der Türkei und insbesondere die HDP zu provozieren und zu diskreditieren, sagen viele hier. Wäre das Ziel allein die PKK, glaubt der junge Hassan, sähen die Angriffe anders aus: "Sie ist viel schwächer als das türkische Militär, wenn sie das wirklich wollten, könnten sie sie einfach töten." Wenn da nicht die Berge wären.

Übersetzung aus dem Italienischen: Jana Friese