Die Islamistenmiliz "Islamischer Staat" hat in Syrien erneut antike Heiligtümer zerstört. Die Extremisten sprengten den Tempel von Baal Schamin in der Stadt Palmyra in die Luft, wie der Chef der Altertumsbehörde, Maamun Abdulkarim, am Sonntagabend mitteilte. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Zerstörung des Tempels laut der Nachrichtenagentur afp.

Das Gebäude sei in großen Teilen zerstört, sagte Abdulkarim. Bei der Explosion sei die sogenannte Cella des Tempels, ihr innerster heiliger Bereich, zerstört worden. Die umgebenden Säulen seien eingestürzt. "Unsere schlimmsten Befürchtungen erfüllen sich gerade", sagte Abdulkarim. Der Tempel wurde im Jahr 17 errichtet; unter dem römischen Kaiser Hadrian wurde er im Jahr 130 erweitert.

Der "Islamische Staat" (IS) eroberte Palmyra im Mai von syrischen Regierungstruppen. Das auch als "Perle der Wüste" berühmte Gebiet gehört zum Weltkulturerbe der Unesco und liegt rund 210 Kilometer nordöstlich der syrischen Hauptstadt Damaskus. Namentlich erwähnt wurde die Siedlung bereits im 19. Jahrhundert vor Christus als Oase, an der die von der Seidenstraße über die Golfregion in den Mittelmeerraum ziehenden Karawanen Rast machten. Seine volle Blüte erreichte Palmyra in der römischen Zeit, etwa im ersten vorchristlichen Jahrhundert. Erst vor wenigen Tagen hatte der IS den früheren Chefarchäologen der Oasenstadt getötet. 

IS sieht Heiligtümer als Gotteslästerung an

Der IS hat in Syrien und im Irak bereits Dutzende Heiligtümer vernichtet, weil die Bauwerke nach Einschätzung der Extremisten gotteslästerlich sind. Die Miliz kämpft in Syrien gegen andere Aufständische sowie Regierungstruppen. Sie hat weite Teile Syriens und des benachbarten Irak unter ihre Kontrolle gebracht und dort ein Kalifat ausgerufen.

In der vergangenen Woche hatte die grausame Hinrichtung des früheren Chefarchäologen von Palmyra, Khaleed al-Assaad, international für Entsetzen gesorgt. Der 82-Jährige wurde enthauptet, sein Leichnam in den Ruinen von Palmyra aufgehängt. Nach Angaben eines seiner Söhne wurde die Leiche anschließend von IS-Kämpfern zerstückelt.