Er gilt als gewalttätig, despotisch und selbstherrlich. Auf Facebook protzt er mit Schnellfeuergewehren, räkelt sich grinsend mit einer Wasserpfeife oder posiert in Kampfuniform am Steuer eines Panzers. Bisher konnte sich Suleiman al-Assad alles erlauben, schließlich ist er ein Neffe zweiten Grades des syrischen Präsidenten. Montagabend jedoch ließ Baschar al-Assad ihn nun festnehmen, nachdem das Wochenende über Tausende Alawiten in der Hafenstadt Latakia seine Hinrichtung gefordert hatten.

Auslöser dieses ungewöhnlichen Aufbegehrens von Angehörigen der muslimischen Minderheit, die das Regime unterstützt, war ein nichtiger Verkehrsdisput, bei dem der raubeinige 18-Jährige seinen Kontrahenten, einen Offizier, am Ende über den Haufen schoss. Nach Angaben von Augenzeugen fühlte sich Suleiman al-Assad in seinem schwarzen Hummer von Luftwaffenoberst Hassan al-Sheikh behindert und bremste dessen Wagen aus. Den anschließenden heftigen Wortwechsel beendete der Assad-Verwandte mit einer Salve aus seiner Kalaschnikow. Al-Sheikh starb vor den Augen seiner entsetzten Frau, seiner Söhne sowie seines Bruders Nasser.

Suleiman al-Assad ist in Latakia berüchtigt, der wichtigsten Hochburg des Regimes neben der Hauptstadt Damaskus. Er ist der Sohn von Hilal al-Assad, einem Cousin des Präsidenten. Hilal machte in den achtziger Jahren mit dem Schmuggel von Luxusgütern ein Vermögen. Als Kommandant der Verteidigungsmilizen wurde er im März 2014 von Rebellen der Nusra-Front erschossen.

Seitdem terrorisiert sein halbwüchsiger Spross die 400.000-Einwohner-Stadt, die letzte Großstadt, die die Regierungstruppen noch komplett halten. Nach Lust und Laune rast er mit seinem Geländewagen am Mittelmeerstrand entlang und versetzt die Badegäste in Angst und Schrecken. Mehrfach soll er bereits auf Menschen geschossen haben, von denen er sich provoziert fühlte. Die alawitischen Demonstranten vom Wochenende beschimpfte er im Internet als "Hunde" und "Drückeberger".

Druck auf Alawiten wächst

Für das Regime in Damaskus kommt der tödliche Streit in den eigenen Reihen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Druck auf die Minderheit der Alawiten, aus deren Reihen die Mitglieder des Regimes stammen, wächst. Die Zahl ihrer Gefallenen ist extrem hoch. Offene Zerwürfnisse könnten den endgültigen Kollaps des Machtsystems auslösen. Denn die Rebellen rücken immer bedrohlicher an die alawitischen Siedlungsgebiete heran, während dem Diktator die Soldaten ausgehen. Und so schickte Assad eilends eine Delegation nach Latakia, um die Gemüter zu beruhigen. Der Frau des Ermordeten ließ er versprechen, der Täter werde, wer auch immer er sei, zur Rechenschaft gezogen.

Für Louay Hussein, einem prominenten Aktivisten der alawitischen Opposition, hingegen ist das alles Augenwischerei. "Es war nicht das erste Mal, dass ein Gangster der Assad-Familie einen alawitischen Bewohner von Latakia angegriffen und getötet hat", beklagt er auf Facebook. Nicht alle Mitglieder der Assad-Familie seien Gangster oder Kriminelle, aber viele von ihnen. "Sie töten, sie vergewaltigen, sie stehlen, sie entführen Frauen, sie beschlagnahmen Vermögen. Das sind alles Mafiosi, die glauben, über dem Gesetz zu stehen." Für Assad könnte die Schießerei seines Verwandten noch ziemlich gefährlich werden.