In der Umgebung des Chemielagers in der chinesischen Hafenstadt Tianjin sind dramatisch hohe Mengen an Zyanid gemessen worden. Mehr als eine Woche nach den verheerenden Explosionen in einem Gefahrgutlager übersteigt der Blausäure-Gehalt des Wassers in unmittelbarer Nähe um das 356-Fache den Grenzwert.

Die extrem hohe Konzentration der hochgiftigen Chemikalie sei bei mehreren Proben innerhalb des Sperrbezirks festgestellt worden, teilte das Umweltschutzamt von Tianjin mit. Am selben Tag hatte die Gesundheitsbehörde der Stadt mitgeteilt, dass das Trinkwasser in Tianjin den nationalen Standards entspreche und unbedenklich sei.

Zumindest einige der Anwohner sollen nach der Explosion, die 114 Menschen das Leben kostete und Hunderte verletzte, entschädigt werden. Die Stadtregierung will Apartments zurückkaufen, die bei dem Unglück beschädigt wurden. Es ist allerdings noch unklar, für wen dieses Angebot gelten soll. Zunächst sollen Experten die etwa 17.000 betroffenen Wohnungen begutachten. "Wenn die Arbeit getan ist, wird entschieden, welche Häuser abgerissen, neu gebaut oder zurückgekauft werden", sagte Tianjins stellvertretender Bürgermeister Zong Guoying.

Nach der Katastrophe hatten Ermittler illegale Geschäfte der Betreiber des Lagers aufgedeckt, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Sie sollen sich Genehmigungen erkauft und Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten haben. So war das Lager nur 560 Meter von Wohnblocks entfernt, obwohl 1.000 Meter vorgeschrieben waren. Nach Verwicklungen in Geschäfte mit Ölkonzernen und der chemischen Industrie war Yang Dongliang, der chinesische Minister für Arbeitsschutz, am Dienstag von seinen Pflichten entbunden worden.