Ungarn hat den umstrittenen Zaun an der Grenze zu Serbien fertiggestellt. Dies meldete die staatliche Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Die rechtskonservative Regierung von János Áder(Fidesz-Partei) erhofft sich, dass nun weniger Flüchtlinge entlang der Balkan-Route über Serbien ins Land kommen.

Die meisten von ihnen stammen aus dem Irak, Afghanistan, Syrien, dem Kosovo und afrikanischen Staaten. Sie wollen in der Regel in andere EU-Staaten wie Österreich oder Deutschland weiterreisen. Serbien gehört nicht zum Schengen-Raum, das EU-Mitglied Ungarn schon.

Darüber hinaus plant Budapest die Errichtung eines weiteren, bis zu vier Meter hohen Maschendrahtzauns, der bis Ende Oktober fertig sein soll. Außerdem will das Parlament ein Gesetzespaket verabschieden, das die Internierung der Flüchtlinge in einem 60 Meter breiten Streifen unmittelbar an der Grenze vorsieht und das Beschädigen des Zauns zu einer Straftat erklärt, für die bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen.

Das ungarische Parlament hatte vor Kurzem die Asylgesetze verschärft, kurz darauf begannen die Behörden, Flüchtlinge in Zeltlager in die Randgebiete zu verbannen. An der Grenze zu Serbien sind derzeit etwa tausend Sicherheitskräfte im Einsatz, im September soll ihre Zahl auf 3.000 ansteigen. Allein in diesem Jahr registrierte Ungarn etwa 140.000 Flüchtlinge aus Serbien. Kurz vor der Fertigstellung versuchten besonders viele Flüchtlinge, schnell noch nach Ungarn und damit in die EU zu kommen. Die Polizei griff täglich etwa 3.000 Menschen auf.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte auf der Westbalkan-Konferenz den Bau von Grenzzäunen, ohne Ungarn oder Bulgarien direkt zu nennen. Er erinnerte die EU-Staaten daran, in der Flüchtlingskrise "ihre Hausaufgaben zu erfüllen" und die Lasten gleichmäßig zu verteilen. Auch Serbiens Ministerpräsident Aleksandar Vučić sprach sich gegen Grenzschließungen aus: "Wir werden niemals irgendwelche Zäune oder Mauern errichten", sagte er. Allein 100.000 Flüchtlinge aus Syrien und anderen Konfliktgebieten sind mittlerweile in Serbien angekommen.

Auch Altkanzler Gerhard Schröder äußerte sich besorgt. "Weder das Mittelmeer noch neue Mauern, wie sie etwa in Ungarn gebaut werden, halten Menschen in ihrer Verzweiflung auf", schrieb er in der Welt am Sonntag. "Wir dürfen diese Migration in und nach Europa nicht durch neue Eiserne Vorhänge zu verhindern versuchen. Stattdessen müssen wir sie steuern, müssen integrieren und müssen Perspektiven in den Herkunftsländern schaffen."

Aufnahmestellen in Italien und Griechenland geplant

Die Innenminister von Deutschland, Frankreich und Großbritannien setzen auf große Aufnahmestellen zur Registrierung von Flüchtlingen in Italien und Griechenland. Sie sollen bis Ende des Jahres funktionstüchtig sein, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) in Paris nach Treffen mit seinen Amtskollegen Bernard Cazeneuve und Theresa May. Dort solle auch eine erste Prüfung stattfinden, ob die Betreffenden schutzbedürftig seien. Andernfalls würden sie in ihre Heimatländer zurückgeführt – so der Plan.

Nach dem grausigen Fund von 71 vermutlich erstickten Flüchtlingen in einem Lastwagen bei Wien nahm ein ungarisches Gericht vier mutmaßliche Schlepper in Untersuchungshaft. Es handelt sich um drei Bulgaren im Alter von 29, 30 und 50 Jahren sowie einen 28-jährigen Afghanen, wie das Kreisgericht der Stadt Kecskemét am Samstag mitteilte. Die Polizei in Österreich griff zudem erneut einen Laster mit 26 Flüchtlingen auf. Aus dem stickigen Laderaum wurden drei entkräftete Kleinkinder gerettet, die kurz vor dem Verdursten waren.