"Wenn ein Karrierepolitiker endlich das Weiße Haus riecht, verhält er sich wie ein brünstiger Elchbulle; er macht vor nichts halt und zerstört alles, was ihm im Wege steht", so beschrieb Hunter S. Thompson 1972 die Gier amerikanischer Politicos nach dem mächtigsten Amt auf Erden. 

In Cleveland/Ohio treffen sich die aussichtsreichsten republikanischen Präsidentschaftsbewerber nun erstmals zu einer mit Spannung erwarteten Fernsehdebatte. Los geht es am Donnerstagabend, um 21.00 Uhr Ortszeit (3.00 Uhr Freitag deutsche Zeit). Die zehn vielversprechendsten der bisher 17 Bewerber sind auserwählt, um den Moderatoren des konservativen Kabelsenders Foxnews zur besten Sendezeit Rede und Antwort zu stehen.

Sie werden zwar durchschnittlich nur zehn Minuten Zeit haben, um sich und ihre Positionen vorzustellen –dennoch ist dies für die Bewerber eine große Chance dort zu punkten, wo es zählt: Bei der republikanischen Basis. Ab Februar 2016 startet dann eine Serie von Urwahlen und Parteiversammlungen, im Juli 2016 soll – ebenfalls in Cleveland – dann der republikanische Präsidentschaftskandidat gekürt werden.

Wie schlägt sich Trump?

Nun bergen Fernsehdebatten allerdings immer auch das Risiko, öffentlich gedemütigt oder sogar demontiert zu werden. So scheiterte  der Demokrat Ed Muskie 1972, weil er bei einem Wahlkampfauftritt zu weinen begann. 1988 wurde der jetzige Vizepräsident Joe Biden als Plagiator entlarvt, 1992 musste Bill Clinton pikante Fragen nach dem Zustand seiner Ehe beantworten. Und Rick Perry ging bei den republikanischen Vorwahlen 2012 unter, nachdem er bei TV-Debatten den Eindruck erweckt hatte, nicht recht bei Trost zu sein.

Die Debatte von Cleveland wird neben solch persönlichen Aspekten auch Aufschluss geben über die Befindlichkeit der Republikaner. Schwärmt die einstige Partei Ronald Reagans heute für einen Vertreter der gemäßigten rechten Mitte? Schenkt sie also Jeb Bush oder Ohios Gouverneur John Kasich ihre Gunst?

Oder werden republikanische Wutbürger und Tea-Party-Aktivisten lautstarke Populisten wie Donald Trump oder den texanischen Senator Ted Cruz favorisieren? Das würde die Partei kurz vor dem Vorwahlkampf in eine politisch gefährliche Ecke drängen, wo Hass auf den Staat, die Ablehnung der Homoehe, Zweifel am Klimawandel und Ärger über Minderheiten und Einwanderung grassieren.

Dass der Populist Donald Trump nach allen Umfragen derzeit das Kandidatenfeld anführt, muss nicht allzu viel bedeuten: Im Sommer 2012 lag der Geschäftsmann Herman Cain an der Spitze des damaligen republikanischen Kandidatenfelds, ehe er in der Versenkung verschwand. Trump hat allerdings nicht nur das Geld, um lange im Wahlkampf zu verbleiben. Er pflegt zudem erfolgreich seinen rhetorischen Overkill.

Als "Verlierer" und "Idioten" hat Trump seine Mitbewerber bereits beschimpft, auch wird der Immobilienmogul unweigerlich ausfallend, sobald er sich beleidigt fühlt. Die Konkurrenz muss deshalb befürchten, dass der notorische Selbstinszenierer vor laufenden Kameras in Cleveland Handkantenschläge verteilt und die Debatte damit kapert. 

Er wäre "gern höflich", sagte der New Yorker Milliardär noch am Mittwoch. Gefolgt von der Einschränkung: Natürlich müsse er sich wehren, "wenn ich angegriffen werde".  Gelingt es ihm in Cleveland, einen Hauch staatsmännischen Ernstes zu verbreiten, stünde Trump gut da. Mutiert er indes zum Clown und überzieht, könnten seine hohen Umfragewerte schnell verpuffen.