In der ersten großen TV-Debatte hat der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump eine Kandidatur als parteiloser Kandidat nicht ausgeschlossen. "Ich möchte als republikanischer Kandidat antreten", sagte der Immobilientycoon  in Cleveland, der die meiste Redezeit aller Kandidaten hatte. Auf die Frage der Moderatoren, ob er bei einer Niederlage im Vorwahlkampf der Republikaner auf einen Alleingang verzichten werde, antwortete er: "Ich werde zum gegenwärtigen Zeitpunkt dieses Versprechen nicht geben."

Trump sorgt seit der Verkündung seiner Bewerbung Mitte Juni für Wirbel im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. In Umfragen liegt der durch eine Reality-Fernsehsendung bekannte Geschäftsmann an der Spitze. Der politische Seiteneinsteiger schlachtet vor allem das Thema illegale Einwanderung populistisch aus, mexikanische Migranten bezeichnete er pauschal als "Vergewaltiger".

Ein Wahlkampf Trumps als unabhängiger, dritter Kandidat bereitet den Republikanern große Sorge. Da bei einer knappen Wahl jede Stimme aus dem konservativen Lager zählt, könnte eine unabhängige Kandidatur Trumps letztlich zu einem Sieg der Demokraten führen.

Bei der Debatte am Donnerstag forderte Trump erneut den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. "Wir müssen eine Mauer bauen. Und sie muss schnell gebaut werden", sagte er. Die "dummen Spitzenpolitiker in den Vereinigten Staaten" würden nichts gegen illegale Einwanderung unternehmen. Im Publikum stießen die unverblümten Äußerungen des Milliardärs auf geteilte Reaktionen: Neben Applaus waren auch laute Buhrufe zu hören.

Trump erklärte, seine Vorwürfe, wonach Mexiko Kriminelle in die USA schicke, werde er nicht zurücknehmen. Als Moderator Chris Wallace ihn aufforderte, Beweise für seine Anschuldigung vorzulegen, reagierte der Geschäftsmann kurz angebunden. Wenn er nicht gewesen wäre, würde niemand über illegale Einwanderung sprechen, entgegnete Trump.

Marco Rubio, Senator von Florida, widersprach dem Milliardär. Die meisten Migranten schlichen sich nicht über die Grenze, sondern blieben nach Ablauf ihrer Visa einfach im Land. Im Übrigen kämen die meisten illegal eingereisten Menschen aus Ländern wie Guatemala und El Salvador, sagte Rubio.

Der Gouverneur von Ohio, John Kasich, sagte, dass Trump mit der Einwanderungsdebatte einen "Nerv" getroffen habe. "Die Leute sind frustriert. Sie haben es satt", sagte Kasich. "Er hat seine Lösungen, einige von uns haben andere Lösungen." Der frühere Gouverneur von Florida, Jeb Bush, sprach sich dafür aus, Einwanderern ohne gültige Papiere einen Weg in die Legalität zu ermöglichen. Wisconsins Gouverneur Scott Walker machte dagegen deutlich, dass es mit ihm als Präsidenten keine "Amnestie" geben werde.

"Keine Zeit für politische Korrektheit"

Kritisiert wurde Trump wegen früheren anzüglichen Kommentaren über Frauen. Die Moderatorin Megyn Kelly brachte in einer Frage seine Castingshow The Apprentice zur Sprache, in der der Milliardär die Figuren von Kandidatinnen kritisiert und sexuell zweideutige Äußerungen von sich gegeben hatte.

Trump versuchte die Kritik zunächst mit einem Witz zu kontern und erklärte, seine Kommentare hätten nur der Schauspielerin Rosie O'Donnell gegolten. Wenn der Moderatorin das nicht gefalle, tue es ihm Leid.  "Ich werde von so vielen Leuten herausgefordert und ich habe ehrlich gesagt keine Zeit für totale politische Korrektheit", sagte er weiter. "Das Land ist in großen Schwierigkeiten."

Der Nachrichtensender Fox News organisierte den ersten großen Schlagabtausch der republikanischen Präsidentschaftsbewerber. Angesichts des 17-köpfigen Bewerberfeldes entschied sich der Sender für zwei getrennte Debatten: Zur besten Sendezeit durften sich die zehn Bewerber messen, die laut einem Bündel von Umfragen zuletzt am besten abschnitten. Die sieben weiteren Bewerber kamen nur bei einer weniger prominenten Veranstaltung am Nachmittag zum Zug.

Die Präsidentschaftswahl findet im November 2016 statt. Amtsinhaber Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Bei Obamas Demokraten gilt die frühere Außenministerin und First Lady Hillary Clinton als große Favoritin. Beide Parteien bestimmen ab Anfang kommenden Jahres in Vorwahlen ihre Kandidaten.