Es war sein großer Auftritt: Donald Trump hat sich sichtlich wohlgefühlt in der Mitte der Bühne, zwischen den neun anderen Spitzenbewerbern der Konservativen. Schon zu Beginn des ersten TV-Duells der Republikaner war klar: Um ihn würde sich das Spektakel drehen. Er, der die Umfragen anführt. Das wusste Trump, und das kostete der 69-Jährige in vollen Zügen aus.

Der Immobilientycoon mit der halbseidenen Vergangenheit verlor keine Zeit, seine kruden Ansichten ohne jegliche Scham zu wiederholen und zu verbreiten, jene dumpf-populistischen Sprüche, die ihm bei einem bestimmten Teil der Wählerschaft in den letzten Wochen so durchschlagenden Erfolg eingebracht hatten. 

Auf die Frage, ob er denn wählbar sei, wenn er Frauen mit "fette Sau" beschimpfe, erwiderte Trump, in Zeiten wie diesen sei kein Raum für politische Korrektheit. Während Amerika sich in Feinsinnigkeit ergehe, zögen China und Mexiko global davon und der Iran tanze der Nation auf der Nase herum. 

Zu seinem Lieblingsthema Immigration hatte er diesmal nur zu sagen, er würde eine Mauer an der mexikanischen Grenze bauen. Neulich hatte er der dortigen Regierung noch vorgeworfen, sie schicke den USA ihre ganzen Vergewaltiger, Drogenhändler und sonstigen Verbrecher. In der Diskussion um Korruption und Wahlkampffinanzierung ließ Trump wissen, er teile immer Geld an Kandidaten aller Lager aus, um die Telefonleitungen zu ihnen offen zu halten, wenn sie gewählt werden. Das freilich wertete er als ein Zeichen dafür, "dass das System kaputt sei".

Mit derartigen Floskeln beherrschte Trump die beinahe zweistündige Debatte. Beinahe zwei Minuten länger als alle anderen redete "the Donald". Dabei verschonten ihn die Moderatoren des übertragenden Fox-Netzwerks – seit jeher ein besserer Propagandaarm der Republikaner – mit Nachfragen nach Fakten oder konkreten Vorschlägen für politische Maßnahmen. Man ließ den Donald frei wüten.

Bush relativiert Kritik an Trump

Auch die anderen Kandidaten fassten den Spitzenmann des republikanischen Feldes mit Samthandschuhen an – in offensichtlicher Furcht, die Trump-Fans zu verprellen. Nein, er habe Trump niemals einen Clown genannt, sagte Jeb Bush. Er habe lediglich zum Ausdruck bringen wollen, dass Trumps polarisierende Rhetorik nicht immer konstruktiv sei. John Kasich, der Gouverneur von Ohio, machte ähnliche Verrenkungen: Trump habe bei den Wählern offenbar einen Nerv getroffen und das müsse man ernst nehmen, sagte Kasich.

Dann ging Kasich dazu über, sich den Wählern erst einmal vorzustellen. Die meisten anderen Kandidaten taten es ihm gleich. Sie alle müssen vor nationalem Publikum noch Kontur gewinnen und die Fox-Moderatoren ließen sie gewähren: Die Fragen waren eher Stichpunkte, die den Kandidaten Gelegenheit gaben, ihre vorbereiteten Slogans zu verbreiten. Harte Nachfragen blieben die Ausnahme. Alleine Trump musste sich einen Moment der Entrüstung gefallen lassen. Er wollte nicht versprechen, im letzten Moment doch noch aus der republikanischen Partei auszutreten und seine derzeitige Popularität zu einer unabhängigen Kandidatur zu nutzen.