Die israelische Polizei hat im Westjordanland neun Verdächtige festgenommen, die mutmaßlich an den Brandanschlägen vor anderthalb Wochen beteiligt waren. Bei ihnen handelt es sich um jüdische Siedler, die in wild errichteten Außenposten gefasst wurden, teilte die Polizei mit.  

Israelischen Medien zufolge wurden in der illegalen Siedlung Adei Ad, in der direkten Nachbarschaft von Duma, zwei Menschen festgenommen. In einem illegalen Außenposten der einige Kilometer südlich gelegenen Siedlung Kochav Haschachar seien sieben junge Siedler-Aktivisten in Polizeigewahrsam genommen worden.

In dem palästinensischen Dorf Duma waren Ende Juli Brandanschläge auf zwei Häuser verübt worden, ein Kleinkind verbrannte bei lebendigem Leibe. Der Vater erlag am Samstag seinen Verletzungen. Auch die Mutter und ein vierjähriger Junge erlitten schwerste Brandwunden.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte am Samstag: "Als ich die Familie vergangene Woche im Krankenhaus besucht habe, habe ich versprochen, dass wir alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen werden, um die Mörder zu fassen. Und das tun wir."

Die "Hügel-Jugend" verliert einen Anführer

Die Behörden verhängten gegen zwei extremistische Juden sechs Monate Administrativhaft, also eine Haft ohne Anklage. Verteidigungsminister Mosche Jaalon erließ am Sonntag einen sechsmonatigen Haftbefehl gegen Meir Ettinger, einen der bekanntesten Vertreter der radikalen "Hügel-Jugend" aus den Siedler-Außenposten.

Ettinger war am vergangenen Montag auf Drängen des Inlandsgeheimdienstes festgenommen worden. Der Geheimdienst hält ihn für den Kopf einer Gruppierung, die für mehrere Anschläge auf Klöster und Kirchen verantwortlich ist. Auch im Fall des Brandanschlags in Duma wird gegen ihn wegen Anstiftung ermittelt.

Der am Dienstag festgenommene jüdische Ultranationalist Eviatar Slonim kam am Sonntag ebenfalls für ein halbes Jahr in Administrativhaft, wie schon vergangene Woche ein dritter Rechtsextremist, Mordechai Meyer. Diese Maßnahme, die eine letztlich unbegrenzte Inhaftierung von Verdächtigen ohne Anklage und Verfahren ermöglicht, wird in Israel äußerst selten gegen Juden, aber regelmäßig gegen palästinensische Aktivisten angewendet. Ziel der Verwaltungshaft ist es, dass Ermittlern somit theoretisch die Möglichkeit gegeben werden soll, Beweise zu sammeln und zugleich weitere Anschläge zu verhindern.

Kritik am Verwaltungsgewahrsam

Menschenrechtsaktivisten und Anwälte der israelischen Verdächtigen kritisierten die Verhängung des Verwaltungsgewahrsams. Dieser sei eine drakonischer Schritt, mit der die über den Brandanschlag schockierte israelische Öffentlichkeit beschwichtigt werden solle. "Diese Maßnahme ist gefährlich für das gesamte Rechtssystem und für die Demokratie", sagte Aharon Roseh, ein Anwalt von Ettinger und Slonim. Seine Mandanten seien unschuldig.

Der Vorsitzende der rechtsnationalen israelischen Siedlerpartei "Jüdisches Heim", Naftali Bennett, hat sich für die Todesstrafe für jüdische Terroristen ausgesprochen. Das berichtet der israelische Sender Arutz Sheva unter Berufung auf eine Äußerung Bennetts im Interview des Senders Galei Israel. Es müssten die gleichen Strafen für jüdische und arabische Terroristen gelten, so Bennett.

Die rechtsnationale Partei hatte im April einen Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht, der die Todesstrafe für verurteilte Terroristen vorsieht. Dies solle auch für Täter von Terrorakten gegen israelische Zivilisten im Westjordanland gelten, das unter Militärgesetz steht, hieß es. Nach geltendem Militärgesetz kann die Todesstrafe bereits heute verhängt werden, wenn die Militärrichter sich einstimmig dafür aussprechen. Künftig soll laut dem Entwurf eine einfache Mehrheit genügen.

Kirche zeigt Rechtsextremisten an

Die katholische Kirche in Israel hat bei der israelischen Polizei Strafanzeige gegen den bekannten Rechtsextremisten Ben-Zion Gopstein erstattet, nachdem dieser die Verbrennung der christlichen Kirchenbauten in Israel vergangene Woche zur religiösen Pflicht erklärt hatte. Wie der Medienbeauftragte der lokalen Diözesen, Wadie Abu Nassar, sagte, handelt es sich bei der Strafanzeige um eine Reaktion auf die jüngsten Äußerungen von Gopstein, die mit Rückendeckung des Vatikan erfolgte.

Der Führer der rechtsextremistischen jüdischen Gruppe Lehava hatte vergangene Woche bei einer Podiumsdiskussion erklärt, die jüdische Lehre verlange die Bekämpfung des Götzendienstes auf dem Boden des Heiligen Landes. Das schließe ein, Kirchen und Klöster in Brand zu setzen. Gopstein berief sich dabei insbesondere auf den mittelalterlichen Rechtsgelehrten Maimonides.

Palästinenser wollen "Volkskomitees" bilden

Ein Sprecher der islamistischen Hamas, Hossam Badran, schrieb auf Facebook, nichts werde "diese mörderischen Siedler-Attacken stoppen". Die Palästinenser im Westjordanland hätten nur eine Wahl: "die offene und umfassende Konfrontation mit dem Besatzer".

Die Palästinensische Autonomiebehörde kündigte die Einrichtung von aus Zivilisten gebildeten "Volkskomitees" zum Schutz der Bürger an. In 82 Prozent der Fläche des Westjordanlands ist laut den Oslo-Abkommen Israel für die Sicherheit der Bürger zuständig.