Für den jüngsten Brandanschlag im Westjordanland fand UN-Generalsekretär Ban Ki Moon deutliche Worte: Es handele sich um eine "heimtückische Terrorattacke", deren Verantwortliche umgehend zur Rechenschaft gezogen werden müssten, erklärte Ban am UN-Sitz in New York. Er machte Israels Siedlungspolitik für den Tod eines Kleinkindes bei dem Anschlag mitverantwortlich. "Die Abwesenheit eines politischen Prozesses und Israels illegale Siedlungspolitik sowie die harsche und unnötige Praxis, palästinensische Häuser zu zerstören, haben gewaltsamen Extremismus auf beiden Seiten befördert", sagte Bans Sprecher Stéphane Dujarric. Radikale jüdische Siedler seien für ihre Gewalttaten oft nicht ausreichend bestraft worden.

Bei dem Anschlag nahe Nablus war ein palästinensisches Kleinkind getötet und dessen Familie schwer verletzt worden. Als Täter vermuten israelische Sicherheitsbehörden militante Siedler. Die palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah will den Anschlag zum Thema bei den Vereinten Nationen machen. Man wolle "die kriminellen Taten und den Terrorismus der (israelischen) Siedler" vor den UN-Sicherheitsrat bringen, hieß es in einer Mitteilung der Palästinenserführung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon solle zudem aufgefordert werden, die besetzten Gebiete unter internationalen Schutz zu stellen.

Nach Angaben der israelischen Armee waren mindestens zwei Vermummte in das Dorf Duma zwischen Nablus und Ramallah gekommen. Sie beschmierten zwei Häuser mit hebräischen Graffiti – darunter das Wort "Rache" –, schlugen dann Fenster ein und warfen Brandbomben in die Gebäude. Dabei erlitt das 18 Monate alte Kind so schwere Brandverletzungen, dass es starb. Mindestens drei weitere Familienmitglieder wurden nach israelischen und palästinensischen Angaben schwer verletzt.

UN-Sicherheitsrat ruft zu Frieden auf

Der UN-Generalsekretär sprach der Familie des getöteten Jungen sein Mitgefühl aus – auch seine Eltern und sein Bruder schwebten in Lebensgefahr. Ban rief zudem beide Konfliktparteien zu Maßnahmen auf, die auf den "Pfad des Friedens" zurückführten. Auch die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates riefen alle Seiten auf, "auf einen Abbau der Spannungen hinzuarbeiten, Gewalt abzulehnen, sämtliche Provokationen zu vermeiden und einen Weg hin zum Frieden anzustreben".

Die israelische Regierung verurteile den Anschlag ungewöhnlich scharf und versprach umfassende Ermittlungen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schrieb in einer Mitteilung, er sei schockiert über die "entsetzliche Tat". Er habe die Sicherheitskräfte angewiesen, alles zu unternehmen, um die Täter zu fassen und vor Gericht zu stellen. Staatspräsident Reuven Rivlin schrieb in einer Mitteilung an arabische Medien, Israel habe jüdischen Terrorismus bislang offenbar nicht genug geahndet. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach im palästinensischen Fernsehen von einem "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Netanjahu führte wegen des Anschlags ein seltenes Telefonat mit Abbas. Später am Abend äußerte Abbas jedoch Zweifel am Willen Israels, nach "wahrer Gerechtigkeit" zu streben. Er machte zudem Israel "direkt" verantwortlich für den Tod des Kleinkindes. Der Grund dafür sei, dass nicht gegen radikale jüdische Siedler vorgegangen werde und deren Taten "straflos" blieben.

Proteste eskalieren

Aus Wut über den Brandanschlag gingen Tausende Palästinenser im Westjordanland auf die Straße. Nach Angaben palästinensischer Sicherheitsvertreter und Rettungskräfte schossen israelische Soldaten nahe dem Kontrollpunkt Atara dabei einem 14-Jährigen in die Brust. Der aus dem Flüchtlingslager Dschalason stammende Palästinenser starb wenige Stunden später im Krankenhaus.

Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte zu dem Vorfall, dass ein "palästinensischer Verdächtiger" einen Brandsatz auf einen Armeeposten in Bir Seit geworfen habe. "Als Reaktion auf diese unmittelbare Gefahr haben die Soldaten auf den Angreifer geschossen", sagte sie. Dabei sei der 14-Jährige getroffen worden.

Unterdessen kam es auch im Norden des Gazastreifens erneut zu Gewalt. Israelische Soldaten erschossen einen Palästinenser und verletzten einen weiteren, wie von palästinensischer Seite bekannt wurde. Die Männer hätten sich einem Grenzzaun genähert, woraufhin Soldaten das Feuer auf sie eröffnet hätten, hieß es. Dabei handelte es sich um zwei separate Vorfälle.

Eine israelische Militärsprecherin sagte dazu, "zwei Verdächtige" hätten sich "dem Sicherheitszaun im nördlichen Gazastreifen genähert". Einer von ihnen sei weitergelaufen, obwohl Soldaten ihn zum Anhalten aufgefordert hätten. Auf der Seite des Grenzzauns innerhalb des Gazastreifens ist eine Pufferzone eingerichtet, die von Israel überwacht wird. Palästinenser haben nur eingeschränkten Zugang zu dem Bereich. Dass Schüsse fallen, wenn sich jemand dem Zaun nähert, ist allerdings ungewöhnlich.