US-Verteidigungsminister Ash Carter hat weitere Gespräche mit seinem russischen Kollegen Sergej Schoigu über die militärischen Absichten Moskaus in Syrien mit einer Bedingung verknüpft. Eine Fortsetzung müsse mit einem diplomatischen Dialog über einen politischen Übergang einhergehen, der zu einem Abgang des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad führen müsse, sagte Carter in Washington. Zudem seien die USA besorgt, dass Russland wahllos moderate syrische Rebellen angreifen könnte, die gegen die Assad-Regierung kämpften. Das wäre so, als würde man "Benzin auf den Bürgerkrieg schütten", fügte Carter hinzu.

Moskau will sich seit geraumer Zeit stärker in den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" einbinden und sieht eine Unterstützung der syrischen Regierungstruppen offenbar als das beste Mittel. Dazu baute Russland zuletzt seine Militärpräsenz an einer Luftwaffenbasis in Syrien aus und schickte Personal, Panzer, Helikopter, Raketen und Ausrüstung in die Küstenprovinz Latakia. US-Regierungsvertretern zufolge hat Russland zudem mit Aufklärungsflügen über Syrien begonnen – offenbar in Vorbereitung auf den Einsatz von Kampfjets in den kommenden Tagen.

Vergangene Woche telefonierte Carter mit seinem russischen Kollegen Schoigu, um Näheres über Moskaus Aktivitäten in Syrien zu erfahren. Dabei wurde auch die Frage aufgeworfen, inwiefern die dortige russische Präsenz sich mit der US-geführten Anti-IS-Koalition verbinden lässt – oder mit ihr kollidiert. Am Montag treffen sich Russlands Staatschef Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama am Rande der UN-Generaldebatte in New York. Dabei soll es vor allem um den Syrien-Konflikt gehen.

Putin verteidigt Einsatz zur "Rettung" Assads in Fernsehinterview

Carter äußerte sich am Donnerstag bei einer Pentagon-Pressekonferenz mit dem ukrainischen Verteidigungsminister Stepan Poltorak, der vor Kurzem noch die Nationalgarde seines Landes führte. Selbst wenn die USA und Russland das Interesse an einer Beseitigung des IS aus Syrien teilten, schmälere dies nicht die amerikanische Unterstützung für die Ukraine und die Kritik an den russischen Militäraktivitäten in dem Land, bekräftigte Carter.

Putin bekräftigte in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CBS seine Unterstützung für Syriens Machthaber. CBS-Moderator Charlie Rose sagte laut am Donnerstag vorab veröffentlichten Interviewauszügen, die verstärkte russische Militärpräsenz in Syrien lege nahe, dass Moskau Assad "retten" wolle. "Da haben Sie recht", antwortete Putin.

"Und es ist meine tiefe Überzeugung, dass jede gegenläufige Handlung – zur Zerstörung einer legitimen Regierung – eine Lage schaffen wird, die man jetzt in anderen Ländern der Region oder in anderen Regionen wie etwa Libyen sehen kann, wo alle staatlichen Einrichtungen zerfallen sind", fügte der russische Präsident hinzu. Auch im Irak sei "eine ähnliche Situation" zu beobachten.

Es gebe "keine andere Lösung der syrischen Krise als eine Stärkung der tatsächlichen Regierungsstrukturen und Hilfe für sie, um den Terrorismus zu bekämpfen". Zugleich müsse Damaskus dazu gedrängt werden, "sich an einem positiven Dialog mit der vernünftigen Opposition zu beteiligen und Reformen durchzuführen". Das vollständige Interview will CBS am Sonntag ausstrahlen.